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DIE FARBE IM WOHNRAUM
Besiekt man die vielen Werke und Zeitsdiriften, die sidi heutzutage mit Raumkunst besdiäf-tigen, so fällt auf, dag nur die allerwenigsten die farbige Ausgestaltung der Räume zeigen. Sidier hat dies zu einem erheblidien Teil seinen Grund in den hohen Kosten fUr farbige Drudce. Es spielt aber audi ein anderer Grund mit: die Farbenphoto-graphien von Wohnräumen und Sälen befriedigen in den seltensten Fällen*). Sie treffen wohl im einzelnen die Lokalfarbe der Wände, Möbel und Stoffe; aber in ihrer Gesamtwirkung bleiben solche Bilder meist eindrudcslos, ja sie zeigen häufig eine merkvirUrdig kleinlidie Buntheit. Hier mug eine psydiologisthe Ursadie mitwirken, denn an der objektiven Riditigkeit der einzelnen Farbe ist nidit zu zweifeln. Ja, es mag diese allzu-sadilidie Übertragung der einzelnen Farbwerte auf die Platte und die mangelnde Rudcsicht auf die Beeinflussung des Auges durdi benachbarte andersfarbige Flächen vielleicht gerade der Grund fUr die geringe Überzeugungskraft solcher photographischer Farbenbilder sein. Ganz im Gegensatz hierzu nimmt der Künstler in seinen farbigen Raum-entwUrfen auf die psychologischen Auswirkungen seiner Farben Rücksicht. Er erwägt den Einfluß des Lichts, lenkt das Auge auf bestimmte Punkte, hält andere im Dunkel und fügt so zur Uberlegten Gegensätzlichkeit der Farben auch eine Bewertung hinsichtlich ihrer Ausdruckskraft. Lägt der Künstler dergestalt beim gemalten Entwurf eine gewisse Kunst der Illusion zu seinen Gunsten wirken, so mug bei der Umsetzung solcher Entwürfe um so mehr Vorsicht und Sachkunde walten, damit der beabsichtigte Eindruck auch wirklich erreicht wird.
*) Als günstige Ausnahmen sei auf die Tafeln 3, 5 und 5i dieses Bandes verwiesen.
Der Entwerfende verfährt bei seiner Arbeit meist instinktiv, gestützt auf seine Erfahrungen oder auch geschult durch gute Vorbilder. Solche will ihm diese Sammlung bieten. Sie ist nicht aufzufassen als ein Musterkatalog zur Anfertigung der verschiedensten Arten von Räumen in allerhand Wohnhäusern und öffentlichen Bauten. Wir wünschen sie mehr als eine Ideensammlung betrachtet zu den Fragen: "Welche Aufgaben fallen der Farbe in der modernen Raumgestaltung zu? W^ie bedient sich der Einrichtende der Farbe zur Unterstützung seiner Absichten? "Welche Wirkung üben die Farben auf den Bewohner aus? Tritt man mit dieser Fragestellung an die Bildtafeln unseres Bandes heran, so bieten sie nicht nur für neu zu schaffende Räume vielerlei Anregung. Man wird dann, von diesem und jenem Blatt den einen oder anderen Gedanken zusammentragend und variierend, die eigene Absicht an dem Gebotenen prüfen können und Hinweise zur Verbesserung so manches vorhandenen Raumes finden, die sich allein mit Farbe und ohne groge sachliche Umgestaltung durchführen lägt. Ein kurzer Rückblick mag auch auf unserem Gebiet der Farbgebung für Innenräume nützlich sein, um die Arbeit der Gegenwart in den grogen Zusammenhang der stilistischen Entwicklung zu stellen. Wir tun dem Wohnraum der Gotik und auch noch der Renaissance wohl kein Unrecht, wenn wir behaupten, dag in der Raumkunst jener Epochen der Farbe noch keine selbständige und wichtige Rolle zugeteilt war. So kommt es auch, dag wir in dieser Hinsicht kaum sehr groge Überraschungen erleben, wenn wir erstmals Räume aus jenen Zeiten betreten, die uns nur aus einfarbigen Wiedergaben bekannt waren. Anders wird es im 17. und 18. Jahrhundert. Der Barock
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