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WAS ISST DER HUNGRIGE UNGAR?
Lecker ist gleich ungesund. Sehr wohl ist dieses auch uns bekannt, aber wir haben durch unseren eisernen Magen einen Vorsprung. Dies ist auch notwendig, denn unsere Küche ist nicht gerade für ihre Leichtigkeit bekannt. Der Ungar isst grundsätzlich schwer verdauliche Speisen! Diese werden nach Familienrezepten zubereitet oder eben nach welchen aus dem guten alten Kochbuch von Ilona Horváth. Fahren wir ins Ausland, geht es uns gefühlsmäßig nicht um das eigene weiche Bett, sondern wir sehnen uns eher nach unseren Leibspeisen: nach Sauerrahm, nach dem mit Quark gefüllten Schokoladenriegel Túró Rudi, nach der scharfen Paprikapaste Erős Pista, oder nach einem Stückchen Wintersalami. Es gibt keine exotische Speise auf der Welt, die beispielsweise unsere gefüllten Paprikaschoten entthronen könnte. Auf welchem Grundstein steht nun diese Küche? Einige sagen, es seien die Zwiebeln, wieder andere meinen, es sei das Schweineschmalz, und es gibt welche, die das rote Gewürzpaprikapulver nennen. Wir panieren gerne (Fleisch in Mehl, Eier und Semmelbröseln wenden und in Fett braten), verdicken Suppen und Gemüse mit Mehlschwitze (in heißem Fett angebratenes Mehl mit kaltem Wasser abgelöscht) oder mit in Milch verrührtem Mehl, und wir machen Fleisch durch Räuchern haltbar. Fleisch kommt fast bei jeder Mahlzeit auf den Tisch, aber zur Not können ein bisschen falscher Gulasch (Knochen und Gemüse) oder etwas Grenadiermarsch Freude in unseren Alltag bringen. Am besten ist aber natürlich immer die Hausmannskost. Ernsthafte Diskussion werden z. B. zu folgenden Fragestellungen geführt: Ist die Fischsuppe nach Szegediner oder nach Bajaer Art leckerer? Führt die Gyulaer oder die Csabaer Wurst einen glaubensfesten Vegetarier eher in Versuchung? Vegetarier - dieses Wort ergibt übrigens in unserer kleinen Heimat für die meisten Menschen so wenig Sinn, wie für Ausländer das Phänomen, dass ein Ungar statt Butter Schmalz auf sein Brot schmiert.