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HESSEN SCHWUNGVOLL DURCHMESSENAuf der Autobahn kommt einer von Göttingen her im sdinellen Wagen über die Werra. Die Brüdie ist ?mders als fast alle Brüdcen der Welt. Ihre Fahrbahn biegt sidi durdi, fällt bis zur Mitte und kurvt dann der neuen Höhe entgegen wie eine luftige Furt. Ihre einzigartige Bauart steigert nodi die Wörme am Fahren. Der Mann hinter dem Steuer fühlt sidi und den Wagen den jenseitigen Hang emporgesdileu-dert, sdiwungvoll nadi Hessen hinein.Wenig später reidit rediter Hand der Blid tief ins Fuldatal. Ganz Kassel liegt am Grunde wie ein einziger schimmernder Stein, von den Hängen ringsum gefaßt, verziert durch die Künste der Wilhelmshöhe mit dem fernen Herkules darüber. Darm folgen Nordhessens Wälder, laubschwer und beerenreidi. Felder sind eingesprengt in den dunklen Bann, Wiesen, die Mauern einer Burg tragen lustig bxmte Blendläden, vor weißer, sAwarzgeäderter Fachwerkwand läuft ein Mühlrad tun. Ein Städtdien drängt so freimdlidi nah heran, daß es das Steuer zur Einkehr ziehen möchte, wenn nur im rechten Augenblick eine Ausfahrt wäre. Der Mann in dem schnellen Wagen spürt nun die wärmere Luft der Wetterau, jener fruditbaren Sdiale, die ihre mit Rüben und Rosen bededcten Böden von Horizont zu Horizont dehnt. Traktoren stoßen Puff-wölkdien aus, Burg Münzenberg begleitet eine Weile das Bild, feierlidi, weil unser Reisender ja nicht ahnen kann, daß sie von den Einheimischen ihrer zwei zylindrisdien Türme wegen kurzerhand das Wetterauer Tintenfaß benamst wird.Nun ist nur nodi die Taunusflanke zu überv^rinden, bevor die Ebene den Wagen aufnimmt, jenes Kemstüdc Hessens, einstmals das Bett eines ungeheuren Urstroms, von dem für uns, die Menschen gerade dieses Atemzuges der Weltgesdiidite, zwei Flüsse übriggeblieben sind. Diese aber bedeuten ms all das, was mit den Namen Rhein und Main sidi verbindet.Nur den Main kriegt der Fahrer zu Gesicht, zugleich mit dem Umriß Frankfurts, das seinem Domturm viele hellglänzende Hochhäuser zugesellte. Wie die Brücke, die hier von üblicher Art ist, streng nach dem Lineal, hat fortan auch die Autobahn lange Geraden. Vielleidit, ja wahrsdieinlidi, sdiwebt am Frankfurter Flughafen eben eine Maschine ein und streift fast das Wagendach. Nie ist der Himmel über dieser Landschaft ohne Propellergedröhne vmd das Zisdien der Düsen. Ungezählte Mensdien, die hier aus allen Teilen der Welt eintrafen, haben, als ihre Kabine sidi zur Erde niedersenkte, die beiden Flüsse mit den Schiffen darauf gesehen, die Ufer voller Leben und die diditen Städte; nicht immer haben sie erfahren, daß sie in Hessen gewesen sind.Weiß der Mann im schnellen Wagen, wo die Landesgrenzen sind? Von Darmstadt an begleitet ihn der Odenwald mit bewegtem Umriß, am Fuß der Hänge die Bergstraße, des Frühlings zweite Station beim alljährlichen Einzug in Deutschland. Es ist keine Kerbe eingeschnitten in die blaue Front der Berge, in den Hain aus Kirschbäxmien und Mandelbäumen, die sandigen Fluren, kein Graben und keine Zugbrüdce unterbrechen das Betonband der Autobahn, um ihm zu sagen: Dies ist der Punkt, an dem Du Hessen verläßt. Vier Stunden warst Du unterwegs und hast das Land durchquert in seiner längsten Ausdehnung von Norden nach Süden. Nun, noch vor dem Neckar, im Angesicht der Marmheimer Sdilote, nimm Abschied vom Hessenland!Hessen zwischen Nord und Süd hat schon manchen eingefangen, der sich, auf großer Fahrt, verlocken ließ anzuhalten, und der dann angerührt wurde von einem zauberhaften Platz. Von solchen Orten, die ein Verweilen lohnen, ist Hessen voll wie kaimi ein anderes deutsches Land. Die krause Grenze, die eine Wechsel-