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Köln - eine große Stadt wie keine andereSind sie sich wirklich so ähnlich, die großen Städte Europas? Gewiß, in den Zentren preisen überall die gleichen Leuchtreklamen Produkte derselben Hersteller an, Kameras und Kopfschmerztabletten, die Kreationen berühmter Schneider oder Uhrmacher. Da werben internationale Fluggesellschaften für die teure Reise und Imbißketten für die billige Schnellmahlzeit. Doch hinter dieser bunten, glitzernden Fassade erschließt sich irgendwann doch die Eigenart, die Unverwechselbarkeit einer Stadt. In...
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Köln - eine große Stadt wie keine andereSind sie sich wirklich so ähnlich, die großen Städte Europas? Gewiß, in den Zentren preisen überall die gleichen Leuchtreklamen Produkte derselben Hersteller an, Kameras und Kopfschmerztabletten, die Kreationen berühmter Schneider oder Uhrmacher. Da werben internationale Fluggesellschaften für die teure Reise und Imbißketten für die billige Schnellmahlzeit. Doch hinter dieser bunten, glitzernden Fassade erschließt sich irgendwann doch die Eigenart, die Unverwechselbarkeit einer Stadt. In Köln geschieht das schnell; denn Köln hat den Dom. Wo immer eine Straße eine Biegung macht, wo sich zwischen großen Gebäuden eine Lücke auftut, fällt der Blick auf die Kathedrale. In Köln, sagen Besucher, sei es fast unmöglich, sich in der Innenstadt zu verlaufen. Immer wieder erschienen ja die Türme - unübersehbare Wegweiser.Der Dom mit seinen 157 Metern Höhe ist nicht mehr das höchste Bauwerk der Stadt. Der Fernmeldeturm Colonius am Rand der City hat ihm mit 243 Metern den Rang abgelaufen. Doch zum Wahrzeichen der Stadt ist er deshalb nicht geworden. Das ist und bleibt der Dom. Die Kölner lieben ihn; manche bekommen geradezu Entzugserscheinungen, wenn sie ihn eine Weile nicht sehen - und wenn der Urlaub noch so schön ist. Das weiß sogar die Kriminalpolizei. Sie macht sich keine großen Sorgen, wenn sich ein kölscher Ganove mal aus ihrem Einflußbereich absetzt: Der kommt schon wieder, lange hält er es ohne den Dom nicht aus.Gleichwohl sind viele Kölner nicht sehr glücklich, wenn ihre Heimat als Domstadt bezeichnet wird. Eine solche Charakterisierung widerstrebt ihrem liberalen Selbstverständnis. Die hohe (und erst recht die an der Basis tätige) Geistlichkeit bringt Verständnis dafür auf. Nehmen Sie es doch nicht so genau, unser Herrgott tut das auch nicht, bekam einer ihrer Vertreter einmal zu hören. Worauf er die Menschen, die nicht den strengen, strafenden, sondern den barmherzigen Gott verehren, nicht römisch-katholisch, sondern kölsch-katholisch nannte. Der Priester, der diese Definition fand, war der inzwischen verstorbene Heinz-Werner Ketzer, Dompropst in Köln und als Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Der jeweilige Dompropst ist übrigens ein wichtiger Mann in der Stadt. Er ist sozusagen der Vorstandsvorsitzende des weitgehend eigenständigen UnternehmensDom; jeder, der die Kathedrale offiziell besuchen will, muß sich bei ihm anmelden. Selbst der Kardinal. Wichtigste Aufgabe des vom Propst geleiteten Domkapitels ist die Erhaltung der Kathedrale. Der Dom wird nie fertig, heißt es in Köln. Das Wort ist viele Jahrhunderte alt. 1248 (ein Datum, das sich jedes Schulkind leicht merken kann, weil es mit der kleinsten Zahl beginnt, worauf immer die doppelt so hohe folgt) wurde der Grundstein für den Dom gelegt. 1450 waren der Südturm und das nördliche Seitenschiff fertig, 1560 wurde die Arbeit eingestellt. Fast 300 Jahre blieb ein hölzerner Kran, ein technisches Wunderwerk für die damalige Zeit, das Wahrzeichen des unfertigen Baus. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, 1842, legte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein für den Weiterbau. Aus ganz Deutschland trafen Spenden für die Vollendung ein; sie war zu einem nationalen Anliegen geworden. In Köln entwickelte sich der heute noch bestehende Dombauverein zu einer großen Bürgerinitiative; die Zahl der Mitglieder war so hoch, daß die Versammlungen unter freiem Himmel stattfinden mußten. Es gab keinen ausreichend großen Saal.Zwar förderte der König den Dom, aber beliebt waren die Preußen nichtWenn auch der kunstsinnige Preußenkönig sehr für den Dom engagiert war - mit den Preußen hatten es die Kölner nicht. Der korrekte, sparsame und dazu auch noch protestantische Beamtenstaat lag ihnen nicht. Sie waren nach dem Wiener Kongreß (1815) zu preußischen Untertanen geworden, was den Kölner Bankier Abraham Schaafhausen zu der entsetzten Bemerkung veran-laßte: Jeses, Maria, Joseph, do hierode mer äwer en en ärm Familich (da heiraten wir aber in eine arme Familie). Eine Anekdote berichtet von einem kölschen Anwalt, der einen Prozeß gegen einen zugewanderten kleinen Dieb zum Anlaß nahm, seine Abneigung gegen die von den Preußen eingesetzten Richter und Staatsanwälte kundzutun. Vor vielen gleichgesinnten Zuhörern soll der Verteidiger sein Plädoyer mit den Worten begonnen haben: Da kommen nun die Leute aus dem Osten, keiner hat sie gerufen, niemand will sie hier haben. Die Zuhörer, die schnell gemerkt hatten, daß nicht der Mandant gemeint war, hätten sich das Lachen nur mühsam verkneifen können. Und das Gericht hätte seinen ganzen Zorn auf den kleinen Dieb konzentriert, der eine ungewöhnlich harte Strafe bekommen haben soll.Es gab freilich nicht nur Preußenhaß in Köln. Nicht

Termékadatok

Cím: Köln [antikvár]
Szerző: Celia Körber-Leupold Klaus Zöller
Kiadó: Greven Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3774302278
Méret: 290 mm x 300 mm
Celia Körber-Leupold művei
Klaus Zöller művei
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