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EINLEITUNG
SENA VETUS
Gor magis tibi Sena pandit" — so grüsst den Fremden bei seinem Eintritt in die verwunschene Stadt die Inschrift an der Porta Ga-mollia der Florentiner Landstrasse. ^ Weiter noch als ihre Tore öffnet dir Siena sein Herz!" Die Berge im blauen Frühschein, das leuchtende Grün der Ebene, die schmalen, viereckigen Türme, die grauen, sagenumwobenen Paläste, der schwarz-weisse Dom im Dominikanergewand, die wie eine Feuersäule blutrot auflodernde gewappnete Faust des Palazzo pubblico — wie Jubellieder und Schlachtgesänge, Heldenchöre und Märchengeraun umbraust dich ihre Symphonie, und Bruder Sonne und Schwester Lerche, die allgetreuen Boten des heiligen Franziskus, sie freuen sich des Wandrers, sie segnen deinen Weg, deinen Aufstieg zwischen den Oliven.
Die Stadt des Schweigens umgibt dich mit der Unwirklichkeit ihres ehernen Antlitzes. Du lauschst einer leisen, wehen Melodie von eifersüchtigem Ringen nach Macht, grimmigem Kampf und heldenhaftem Untergang. Bilder einer seltsam vertrauten, menschlich innigen und zarten Kunst beglücken dein Auge, und der süsse Klang des sienesischen Dialekts erfreut dein Ohr. Als habe die heilige Schutzherrin von Siena, die göttliche Madonna mit dem Glanz ihres Antlitzes und der Lieblichkeit ihrer Seele Wege und Welt überstrahlt, so umfängt dich der Frieden, die Pace, wie sie Ambrogio Lorenzetti auf seinem mächtigen Fresko im Stadthaus als Sienas tiefstes Symbol dargestellt hat. Unendliches Glück und sonnige Träume erglänzen in den Augen der stolzen, jungfräulichen Gottheit, ihr Blick hält dich in seinem Bann und will dich aus dem rastlosen Irren der Gegenwart in die träumerische Ruhe weltferner Vergangenheiten entrücken.
Wenn die strahlende, tiefblaue Glut des Sommers um die verwitterten Türme flirrt, an zwei Festtagen im Jahre steigt das Mittelalter aus
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