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VorwortSteirische Landschaft die hebt an, wie es das Lied des Landes registriert, mit der strahlenden Hoheit des Dachsteingletschers und verliert sich im welligen Hügelland an der Grenze des Heimatlandes und des Staates. Und was dazwischen liegt, das Land, ist so verschieden und so vielgestaltig, von immer wechselndem Antlitz, daß der eilends hindurchreisende Betrachter aus den vorbeiziehenden Bildern kaum jene Einheit zusammenfinden kann, als die wir üblicherweise ein Land verstehen. Aber wer es liebt und es von Kind auf mit dieser Liebe suchen gegangen ist als seine Heimat, der weiß, daß in der bunten Vielheit nichts Zufälliges ist, daß eines wächst und wird aus dem nächsten, die Hügel aus den weiten korngoldenen Ebenen des Unterlandes und von den Hügeln auf die klaren Gipfel der Einsamkeit. Der weiß, daß die Bergwässer, ob jung noch im verlassenen Wildbachgraben oder schon breit nach reichlichem Zufluß, so tief sie sich auch eingegraben haben mögen in den Boden, das Land nicht auseinanderteilen, wie Grenzen es tun, sondern es gliedern, damit der Mensch es mit seiner Arbeit und seinem Geist erfülle.Ich weiß einen Wartberg im mittleren Gebirge, von dem wir mehr als das halbe Land überschauen. Im leichten Windzug des Sommertages wogt eine freie Bergwiese mit blauen Glocken und wilden Feuerlilien gegen ein einschichtiges Bauernanwesen her, das vor Jahrhunderten aus dem dunklen Urwald herausgekämpft worden ist und immer von unverzagten Geschlechtern für neue Erben weitererworben wird. Unter der Wiese im Graben rauscht ein klares Wasser, das die Hausmühle treibt und die Lodenstampf und weiter draußen im Land still verzichtend vorüberzieht an den grundfesten Hammerwerken, die einmal der Stolz und der Reichtum des Landes gewesen sind. Über den Wall des dunklen Waldes hinunter, in den der Fleiß der Menschen da und dort freie Siedlungen und dienenden Grund hineingezeichnet hat, und über das niedere Hügelland reicht der Blick bis in die Ebene, die in der Ferne verebbt. Dort heben sich in die kurze Kette jüngsten Gebirges noch einmal als Grenzsaum in den blauen Dunst der Stradner Kogel und die Gleichenberge, vulkanische Gebilde, wofür der Stein und die zahlreichen Strudel Zeugnis geben. Steilan ist die Riegersburg auf einem Basaltkegel gebaut, Grenzfeste gegen den Osten, mit dem gerne geglaubten Spruch auf einem der sieben wehrhaften Tore: Kein Haller mich nicht reuen thuet, ich mains dem Vaterland zu Guett. Anno Domini 1653.Kirchtürme und Schlösser leuchten aus dem Ackerland, das immer wieder grüne Waldbänder durchziehen. Fruchtbar ist der Grund, der zum Getreide noch den gelben Türkenweizen trägt und in seinen Zeilen die Kürbisköpfe, die zur Herbstzeit in goldleuchtenden Bergen vor den niederen Häusern aufgehäuft werden. Der Schilcher reift in den Rieden von Stainz und Deutschlandsberg, der resche, rote Tropfen, der in den kühlen Bergkellern verwahrt liegt und in den Buschenschenken unter blauem Himmel bei froher Fernsicht dem feiernden Landmann ein köstlicher Trunk ist. Schwerer erfüllt sich der Wein, der unten im südlichen Weinland der Grenze entlang wächst, auf Hügeln und Gründen, die einmal schon Römer und Kelten bebauten, und heute noch stößt die Weingarthacke oder der Pflug auf Tonscherben und Geräte einer Zeit und Kultur, deren Träger in den waldüberwachsenen Tumuli bestattet liegen.Dem Blick, wenn er umkehrt und gegen Norden sich wendet, grüßen Berge entgegen, die noch in den hohen Juni hinein klaren Schnee tragen, aber über würzigen Matten doch auch dem läutenden Weidevieh Nahrung und Weitergang gewähren. Da sind die Niederen Tauern,5