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Theater
Kulturelle Mannigfaltigkeit läßt sich in der Bundesrepublik Deutschland besonders gut durch dasTheaterleben erfahren, dessen Struktur, Vielfalt und finanzielle Absicherung keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Weit ins 18. Jahrhundert zurück reicht die Tradition der feudal geprägten, höfischen Theater, der Stadt- und Residenzstadttheater. Als der Erste Weltkrieg dann dem deutschen Kaiserreich mit seinen Fürstentümern ein Ende machte, nahm sich die öffentliche Hand der Theater an, wurden Städte und Staaten, als wäre das ganz selbstverständlich, zu Theaterträgern: In der Zeit der Weimarer Republik entstand das gegenwärtig so breitgefächerte System deutscher Bühnen, das einerseits von den Ländern und Kommunen subventioniert wird, das andererseits aber viel Unabhängigkeit und die Alleinverantwortung der Intendanten garantiert. Auf die Freiheit der Kunst, wie sie in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verankert ist, können sie sich trotz ihrer großen finanziellen Unselbständigkeit stets berufen. Ende der achtziger Jahre wurden die 85 von den Kommunen und den Ländern der alten Bundesrepublik getragenen Stadt- und Staatstheater, die ihrerseits auf rund zweihundert Bühnen spielten, mit insgesamt rund 1,7 Milliarden DM unterstützt. Ohne diese Subvention, die einen hohen Kunstanspruch erlaubt und zu 85% der Deckung der gewaltigen, weiter steigenden Personalkosten dient, könnte keines von ihnen existieren - denn nur noch durchschnittlich 17% der Ausgaben kommen über Eintrittsgelder der Zuschauer wieder herein (bei einer Platzausnutzung von im Schnitt 72% beim Schauspiel und 83% beim Musiktheater).
Ähnlich verhielt es sich mit denTheatern in der ehemaligen DDR, die unter anderen politischen Bedingungen (und aus anderen Gründen) ebenso großzügige Unterstützung genossen. Wenn man die Zahl der Theaterplätze ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzte, erschien der ostdeutsche Teilstaat als das theaterreichste Land der Welt: 60Theater, darunter 30 Opernensembles, boten auf mehr als 120 Spielstätten ihre Aufführungen an. Staatliche Subventionen in beträchtlicher Höhe ermöglichten verblüffend niedrige Eintrittspreise. Heute kann sich kaum noch jemand vorstellen, daß die teuerste Eintrittskarte im Nobelbau der Ostberliner Staatsoper Unter den Linden nur 15 DDR-Mark kostete. Die Staatliche Verwaltung und ideologische Kontrolle des gesamten kulturellen Lebens duldete allerdings weder private Bühnen auf kommerzieller Basis noch jene Freien Gruppen, die anderswo durch ihre Experimentierfreude die etablierte Szene befruchteten.