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FRANZ HUTH UND WEIMARWer zum ersten Mal die klassische Stadt an der Ilm besucht, sieht sich einer nahezu bestürzenden Fülle von Eindrücken gegenüber. Nur ein Bruchteil an Einzelheiten bleibt haften, und erst nach mehrfachem Wiederbegegnen vermag er innere Zusammenhänge zu entdecken und etwas von jener eigentümlichen Harmonie zu verspüren, die den engen Bezirk der Altstadt heute wie ehedem mit der umgebenden Landschaft des Ilmtals verschwistert.Von dieser Harmonie legt die Vorliegende Bilderfolge beredtes Zeugnis ab. Es ist eine Harmonie der Schlichtheit, die nichts mit Nüchternheit gemein hat, sondern eine zwingende, oft rührend einfache Leuchtkraft ausstrahlt. Die jedem betonten Prunk abholde Baugesinnung der Gebäude, die unaufdringliche Behaglichkeit der Innenräume und die sanfte Kraft der sich in die Weite verlierenden Grünnatur ergänzen einander. Selbst dort, wo der Wille zur Repräsentanz erkennbar wird, überschreitet er die Grenzen nicht, die das Kulturerlebnis einer geistesgesättigten Epoche prägte, und wo die menschliche Hand ordnend in den Wildwuchs der Natur eingriff, tat sie es in den Parkanlagen fast unmerklich und ohne absichtsvolle Verschnörkelungen.Franz Huth, der solche Weimarer Eigengesetzlichkeit mit künstlerischer-Intuition erschaut und erfühlt hat, kam im Jahre 1922 als Sechsundvierzigjähriger in diese Stadt und blieb ihr von da an bis in unsere Tage verhaftet.Der Weg dahin war lang und nicht immer leicht. Er begann am 9. November 1876 im Pößnecker Vaterhaus, wo der Knabe schon bald in die bodenständigen Traditionen des Thüringer Kunsthandwerks hineinwuchs. Der Vater war Porzellanmaler, der Pate Modelleur in einer Porzellanfabrik. Die Liebe zur Natur war in der Familie heimisch und fand vielfältigen Niederschlag in der kunsthandwerklichen Praxis. Der junge Franz Huth brauchte hier nur anzuknüpfen; die Lehrzeit in der Schwarzaer Porzellanfabrik und daheim in der väterlichen Werkstatt vermittelte eine gediegene Grundausbildung. Sie wurde bei den Glasmalern im Riesengebirge ergänzt und erweitert und auf der Dresdner Kunstgewerbeschule abgeschlossen.Doch auf die Dauer lastete die heimatliche Enge. Ein junger Mann von zwanzig Jahren, künstlerisch befähigt, voller Hoffnungen und Pläne, mußte sich mit der Welt auseinandersetzen, und die Jahre der großen Wanderschaft, die ihn bis in die Schweiz hinunter führten und ihn dann vorerst in Heidelberg seßhaft machten, erbrachten reichen Ertrag an Einsicht und zugleich Aussichten auf eine wesensgemäße Lebensgestaltung. In Heidelberg bahnte sich, vom Rat und der Förderung wohlmeinender Freunde gestützt, der Aufstieg zum eigentlichen künstlerischen Berufensein an. In hartem Ringen, immer wieder auf den eigensten Kraftquell sich verlassend, wurde das hohe Ziel erstrebt und erreicht. Nur einige Etappen seien angedeutet: Erste Erfolge in der Landschaftsmalerei, zusätzliche Studien in einem Münchner Atelier, die für die spätere Meisterschaft entscheidende Entdeckung des Interieurs in der Rokoko-Beschwingtheit des Bruchsaler Schlosses und das Leben und Wirken in der geistig und künstlerisch bewegenden Atmosphäre des Darmstädter Umkreises.In Weimar aber harrte eine Aufgabe, deren Tragweite vorerst nur zu erahnen war. Schon während der Darmstädter Jahre hatte die Kunstkritik dem Maler Franz Huth bescheinigt, daß in ihm der künstlerische