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Der Himmel über Mainfranken sei es, der ein mediterranes Licht verströme, das wie ein Läclieln über dem Land liegt, sagt der Dichter. Und wlrllch, ein Lächeln Hegt über dem Land. Ist es das der Patrona Franconlae, die allgegenwärtig Ist auf Plätzen und Brunnen, In Nischen und Kapellen, an Hauswänden und Straßenrändern? In Frickenhausen ringt sie heftig die Hände gen Himmel, In Nordheim ist sie doppelgesichtig, ebenso die Engel zu Ihren Füßen, es entgeht Ihnen nichts. Auf der Spitze des Marlenturmes der Würzburger Feste steht sie golden lächelnd im Strahlenkranz und sieht der Patrona Bavariae auf dem Münchner Marlenplatz zum Verwechseln ähnlich.
Entscheide dich, Patrona, möchte man sagen: Franconlae oder Bavariae - das kann nicht das gleiche sein!
Sie lächelt In der Gewißheit, daß Heilige auch Gegensätzliches zu vereinen vermögen. Als Maria mit dem Kinde, In Stein gehauen von Tll-man Riemenschneider, lächelt sie nicht. Das Haupt ein wenig zur Seite geneigt, den Blick In die Ferne gerichtet, scheint sie nachzudenken. Daß Franken und Bayern sie gleichermaßen zur Beschützerin erkoren, bekümmert sie sicher nicht.
Vielleicht denkt sie an Ihren Schöpfer, dem sie so Innige Darstellungen verdankt und daran, wie sehr ihr Name und Schutz zu seiner Zelt mißbraucht wurden.
Als der fränkische Bauernaufstand im Herbst des Jahres 1525 niedergeschlagen war, Meister Tyl auf der Marienburg gefangen gehalten und gefoltert wurde, lagen die geistlichen Herren unter den Siegern gewiß vor Ihrer Patrona auf den Knien und dankten für die Niederlage der Feinde. Hatte wirklich Maria die Bischöfe, Pröbste und
Fürsten davor bewahrt, ihren Überfluß mit dem gemeinen Mann teilen zu sollen? Schwer vorstellbar, so üppig die Patrona vergoldet und gewandet wird, um Ihre Zugehörigkeit zur herrschenden Kirche sinnfällig zu machen, das Bild der Schwangeren, die keine Bleibe findet, der bescheidenen Magd, der Zimmermannsfrau ist stärker.
Kriegskunst, Kriegsglück, Reichtum und Macht waren es, die den gemeinen Mann und mit Ihm soziale Gerechtigkeit und christliche Tugend nle-den/varfen.
Was Ihr dem geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan. Der Würzburger Bischof Konrad von Thüngen Heß die geringsten seiner Brüder, die Bauern, Handwerker und Grundholden verbrennen, rädern, blenden, Ihnen die Hände abhacken und sie vollends entrechten. Eine halbe Million fränkischer Haushalte wurden vernichtet. Daß er Tilman Riemenschneider habe die Hände verstümmeln lassen, Ist eine Fabel mit dem wahren Kern, daß der Entehrte keine Auftraggeber mehrfand.
Das alles soll unter dem Schutz der Patrona Franconlae geschehen sein? Viel eher war es ein weiteres Schwert In ihrem Herzen. Aber sie lächeln, das Land und die Beschützerin, gerade well Fruchtbarkelt, Behagen, Weinseligkeit und Frömmigkeit mit Schweiß und Tränen, Not und Tod erkauft sind.