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12 Die Gartengestaltung
In einer historischen, barocken Gartenanlage wird die Form zum repräsentativen Selbstzweck. Der absolutistische Herrscher, der Auftraggeber für solche Kunstwerke, künstliche Werke, hatte das Bedürfnis und die Macht, die Natur nach seinem Willen zu gestalten. Slräu-cher, Blumen, Wasser und Steine hatten sich seinem Reprä-senlationsbedürlnis zu fügen.
Gedanken zur Gartengestaltung
Es wird heutzutage vielfach bedauernd festgestellt, d;iß es für unsere Zeit keinen pa.ssenden und gültigen Stil der Gartengestaltung gibt. Wir scheinen in einer Zeit des Umbruchs zu leben, in der auch die Gartenkunst noch keine zeitgemäße Au,sdrucksform unseres Lebens gefunden hat.
Wenn wir einen Garten gestalten wollen, so werden unsere Gedanken und Überlegungen stets von dem, was wir im Laufe un,seres Lebens gesehen haben, von historischen Vorbildern beeinflußt, und wir antworten auf all diese Eindrücke - je nachdem, wie weit wir sie verarbeitet oder umgesetzt haben - mit einer Kopie oder geringen Umwandlung dieser überkommenen Formen. Indem wir immer wieder die vorhandenen Motive verwenden, häufig in widersprüchlicher Zusammensetzung, verlieren sie ihre Bedeutung
und die ihnen eigen gewesene Aussagekraft. Ein häufig anzutreffendes Beispiel hierfür ist der nach neuesten ökologischen Gesicluspunkten angelegte Teich, aus dem an einer angeblich bedeutungsvollen Stelle eine »ässerfon-täne emporschiefät, die einer repräsentativen barocken Gartenanlage alle Ehre machen würde, aber in einem Teich, in dem die wunderbare Harmonie von "Wasser, Tier und Pflanze aufgezeigt werden .soll, überhaupt nichts zu .suchen hat. Da es uns heutzutage häufig schwerfällt, den ursprünglichen Sinn angeblich bewährter Formen zu entdecken und ihre Bedeutung zu würdigen, sollten wir uns vor ihrer Verwendung hüten. Die Tatsache, daß wir sie meist nur als sinnentleerte Dekorationsmittel einsetzen, mag einer der Gründe dafür sein, daß man von einer Gartenkultur und Gartenkunst in unserer Zeit nicht sprechen kann. Wir leben in einer Zeit, in der technisch fast alles möglich ist, eine Tatsache, die für uns große Vorteile aber auch erhebliche Nachteile bringt. Bauten die Menschen früherer Zeiten ihre Häuser mit relativ geringem, wenig-
stens aber vertretbarem AufWand don hin, wo es geographisch, morphologisch und klimatisch am sinnvollsten war (ausgenommen einige ahsolutisti-,sche Herrscher des Barock), und schlo.s.sen sie sich zu einander hilfreichen Gemeinschaften zasammen, so sind wir heutzutage in der Lage, in groß.spuriger Vernachlässigung ?er natürlichen Gegebenheiten das reprä-•sentative Einfamilienhaus mit Swimmingpool am unverbaubaren Südhang und die Reihenhaussiedlung im Überschwemmungsgebiet einer Flußniederung zu bauen.
Wir verwenden z.B. das »nostalgische. Motiv des Kräutergärtleins aus den mittelalterlichen Klostergärten, wo tatsächlich heilkräftige Kräuter zur Linderung der Leiden geerntet und verwendet wurden, und filllen damit eine Ecke in unserem Hausgarten. Während die Kräuter dort ihren Kampf gegen das »Unkraut, aufnehmen, gehen wir in die Apotheke und kaufen uns Pillen und Salben.
Sehr ähnlich verfahren wir mit dem Bauerngarten. Im Zuge der Rückbesinnung auf die Natur ist er zum beliebten Motiv geworden. Er gehört in den ländlichen Raum, es ist das Stückchen Land, das die Bäuerin dem Zugrifi" der umgebenden Natur abgerungen hat, von einem einfachen Holzzaun umgeben und eingebettet zwischen Hof und Weideflächen. Entreißt man ihn dieser Umgebung und glaubt, ihn im städtischen Siedlungsbereich anlegen zu müssen, so macht man ihn zu einer wenig sinnvollen Dekoration. Sehr in Mode sind neuerdings auch Stein- und Kiesgärten. Ihre Elemente stammen entweder aus dem Hochgebirge oder aus japanischen Gärten, beides ist vom natürhchen und geistigen Ursprung her so weit von den Gegebenheiten in unseren Hausgärten entfernt, daß bei einer Verwendung dieser Elemente nur zu allergrößter Be-huLsamkeit geraten werden kann. Eine nachempfundene Gebirgslandschaft gehört auf keinen Fall in eine saftiggrüne Wiesenlandschaft des Tieflands, und ebenso widersinnig ist es, auf dem Hang vor unserer Terrasse eine Miniatur-Alpenlandschaft anzulegen oder mülisam aus dem Gebirge herange-.schleppte Felsbrocken entlang einer asphaUierten Garageneinfalirt aufzureihen.
Das Anliegen der japanischen Gärtner war und ist es, mit Hilfe von Steinen,