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Weltmeister vorgestellt (XIII)Garri Kasparow -Der letzte Champion der Steinitzschen EpoclieVor einiger Zeit fragte mich Wassili Iwantschuk: "Sag' mal, warum unterstützt du Kasparow eigentlich mit diesem Feuereifer?" "Nenn' mir doch bitte noch einen Journalisten in Rußland, der positiv über Kasparow schreibt!" antwortete ich. Der, den Wassili nannte, war aus Spanien. Ich fragte ihn, warum zum Teufel ein russischer Journalist nicht seinen Landsmann unterstützen sollte, einen großen Schachspieler, einen Weltmeister, der seit mehr als einem Jahrzehnt unangefochten auf dem Schacholymp herrscht. Wassili schwieg. Er wußte nicht, was er auf meine einfache Frage antworten sollte. Ja, wie konnte es geschehen, daß sich fast die gesamte schreibende Zunft Rußlands von Kasparow abgewandt hat? Von Juri Wassiljew (Moskau)Die Probleme eines "Kasparow-Mannes"Moskau 1984; erstes WM-Match Karpow-Kasparow. Ich erinnere mich, wie mir im Säulensaal des Hauses der Gewerkschaften lange die Akkreditierung verweigert wurde. Dabei war ich der Berichterstatter der Zeitung Tnid, die damals mit täglich etwa 18 Millionen Exemplaren das auflagenstärkste Blatt der Welt war! Ich rief Kasparow an. Was sollte ich sonst machen, wenn der Chefredakteur der größten Zeitung der UdSSR machtlos war? Die Mutter Kasparows telefonierte mit einem Mitarbeiter eines Mitgliedes des Politbüros von Gaidar Alijew, und ich bekam meine Akkreditierung. So war das damals. Solche Fragen wurden auf der Ebene des Politbüros entschieden!Während jenes Matches kam der Korrespondent der New Yoric Times auf mich zu: "Stimmt es, daß Sie ein 'Journalist Kasparows' sind?" Ein "Kasparow-Mann" zu sein, galt im Journalismus des damaligen Systems als Akt staatsbürgerlichen Ungehorsams! Viele Jahre sind seitdem ins Land gegangen. Zusammen mit der Berliner Mauer ist auch das totalitäre System gefallen. Kasparow trägt seit dreizehn Jahren den Weltmeistertitel. Heute verkörpert er in den Augen vieler Schachspieler nicht mehr das Symbol des Kampfes für den Foilschritt. Und ein "Kasparow-Mann" zu sein, ist bei weitem nicht so ehrenvoll wie dreizehn Jahre zuvor. Eher das Gegenteil ist der Fall. Auf der Abschlußzeremonie des Belgrader Turniers von 1997 sagte mir der damalige Co-SiegerVishy Anand: "Ich verstehe, daß Kasparow viel gelitten hat, als er jung war und das Recht erworben hatte, ein Match gegen Karpow zu spielen. Doch seitdem ist viel Zeit vergangen, und Kasparow hat nach dem Sieg gegen Karpow ein System geschaffen, in dem der Champion kolossale Privilegien genießt! Damit muß Schluß sein. Kasparow hat ;ill das erhalten, was er gewollt hat, aber jetzt gehen wir ins 21. Jahrhundert. Vergessen wir alle Privilegien und spielen normale Weltmeisterschaften. Kasparow sagt, daß er der Erbe der Steinitzschen Tradition sei. Gut, aber Karpow führte den Erwerb des Weltmeistertitels zu solch einer Virtuosität, daß er ihn mittlerweile schon beinahe kampflos erhält. Hinge es von mir ab, würde ich diesen Titel ganz abschaffen! In anderen SportartenSchach 1/99