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VORWORT Die Fallen der Autobiographie
Ich glaube, daß es zwei Hauptgründe für die Abfassung von Autobiographien gibt. Den einen darf man vielleicht Chronistendrang nennen, den zweiten könnte man als das Ecce-homo-Motiv bezeichnen. Beide Impulse entspringen der gleichen Quelle, welche die Quelle jeder Literatur ist: dem Wunsch, das Erlebte mit anderen zu teilen und durch diese Erlebnisgemeinschaft die Isolation des Ichs zu überwinden.
Im Chronistendrang drückt sich das Bedürfnis aus, andere an Erlebnissen in der Außenwelt teilnehmen zu lassen. Das Ecce-homo-Motiv entspricht dem gleichen Bedürfnis in bezug auf Erlebnisse in der Innenwelt.
Der Chronist lebt in der ständigen Furcht, daß die Ereignisse, deren Zeuge er ist und die zugleich einen Teil seines Lebens bilden, für die Nachwelt unwiederbringlich verloren wären, wenn er sie nicht mit einem Griffel oder einem Gänsekiel, mit Füllfeder oder Schreibmaschine, auf Wachs- oder Tontafeln festhält. Der Chronistendrang macht sich vor allem in den Selbstbiographien jener geltend, die selber an der Formung ihrer Zeit mitgewirkt haben oder die in dem Gefühl leben, daß sie mehr als andere zu deren Schilderung befähigt seien.
Das Ecce-homo-Motiv hingegen drängt dazu, die Einmaligkeit innerer Erlebnisse festzuhalten, und führt zur Autobiographie als Beichte und Bekenntnis. Es veranlaßt sterbende Ärzte, mit minuziöser Genauigkeit ihre Gedanken und Gefühle unmittelbar vor dem Fall des Vorhangs aufzuzeichnen.
Offenbar stehen Chronistendrang und Ecce-homo-Motiv in rezi-
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