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Anders sein. In einem anderen Land leben. Ganz was anderes tun. Sich anders benehmen als alle andern. Davonrennen wäre schön. Möchte jeder von uns irgendwann einmal. Wenn da nicht dieses komische Gefühl wäre. Die Sache mit der Angst. Angst vor dem Unbekannten. Angst sich zu verändern. Angst, mit Gewohnheiten zu brechen.
Anders sein. Eine andere Nase haben. Eine andere Frisur. Eine andere Stimme. Dicker sein, dünner sein, größer sein, kleiner sein. Anders sein, um anderen zu gefallen. Wir wollen uns verändern, weil wir nicht so aussehen, wie „man" auszusehen hat. Weil wir Angst haben, so zu sein, wie wir sind.
Anders sein. Einer läuft Dir über den Weg und ist ganz anders. Hat eine andere Frisur, eine andere Hautfarbe, eine andere Sprache. Benimmt sich anders. Schaut anders aus und anders drein. Und da ist wieder dieses komische Gefühl. Angst vor allem Fremden, Ungewohnten, Neuen. Und drum lehnen wir den ab. Der soll weggehen oder gar nicht erst kommen. Ausländer raus. Behinderte in ein Heim. Rothaarige und Bucklige in Kein Platz für andere.
Anders sein. Im Gegenüber, im Fremden entdecken wir uns selbst und unsere eigenen Ängste. Wer sich selbst nicht akzepdert, kann andere auch nicht akzeptieren. Wer Angst hat, so zu sein wie er ist, hat auch Angst vor Fremden. Fremde sind wir uns selbst, sagt die Philosophin Julia Kristeva.