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Stimme des Volkes
Das Ernst-Drucker-Theater am Spielbudenplatz auf Sankt Pauli, ein ausgesprochenes Volkstheater, hatte als Publikum Seeleute, Hafenarbeiter, Fischhándler, Strafienverkáufer, Huren, und die dargebotenen Schauspiele waren Burlesken und Possen, meistens im hamburgischen Dialekt, derb, ur-wüchsig, gesund; der Schubbejack auf der Bühne bekam am Ende Prügel, und die arme Unschuld wurde erlöst und er-höht. So gefiel es diesem Publikum, das mit Beifall nicht geizte und oft am SchluC der Vorführungen den Schauspie-lern statt Blumen eine Rundé Bier spendierte octer einen dicken Ráucheraal hinaufreichte,
Nun, einer der Dramaturgén dieses Volkstheaters war vor Jahren auf den Gedanken gekommen, die Gretchentragödie aus dem „Faust" herauszuschálen und zur Aufführung zu bringen. Vielleicht fehlte ihm gerade ein Stück; vielleicht wollte er dem Volk auch einmal ernstere Kost bieten. Die Aufführung wurde denn auch ernst und aufmerksam aufge-nommen. Laute Klagen erschollen aus den Reihen des Publi-kums, als Gretchen sich in Gewissensqualen wand. Und beim Klatsch der Mádchen am Brunnen schrien einige Mánner er-regt: „Jojo, so is dat! Düsse verdammten Klatschwiewer!" Am Schlufí aber gab's einen so mörderischen Skandal, wie ihn das altehrwürdige Theater noch niemals erlebt hatte und in dessen Verlauf das entrüstete biedere Hamburger Publikum
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