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ERSTES KAPITEL
ZU FRÜH GEBOREN
Und jeder sagte: „Armes Kind!
Es ist zu früh geboren!"
Da die fünfundzwanzigjährige Freiin Maria Theresia Louise von Droste-Hülshoff, geborene von Haxthausen aus dem Hause Abbenburg im Paderborner Land, am 10. Januar 1797 als Erste — denn es wachte zu dieser Stunde noch niemand unter den Dächern der wasserumwehrten, vor den Toren der Stadt Münster gelegenen graugegiebelten Burg — mit beiden Füßen zugleich in die Dunkelheit und Stille des Morgens hineinsprang, packte der Schmerz die tatsüditlge Frau im Rücken und riß sie auf ihr Lager wieder herab. Die hochgewachsene Herrin zu Hülshoff, seit acht Monaten Guter Hoffnung, vermeinte aber nicht anders als, sie habe sich vertreten und wenige Minuten erneuten langgestreckten Liegens würden genügen, den widerspenstigen Körper Ihrem Willen gebührend hörig zu machen, so daß dann der Tag, nachdem er von Ihr bereits bebetet war, auch herangeläutet und gemäß der Ordnung, die sie Ihm gesetzt hatte, auf den Trab gebradit werden konnte.
Da Therese von Droste-HülshoiT nach kurzem, sdimerz-erzwungenen Ausruhen zum zweiten Mal den Weg unter die Füße nehmen wollte, der auf den Tag zuführt, fing sie es umgekehrt wie gemeinhin an. Sie stützte sich mit beiden Armen vorsichtig, wenn auch Immer noch heftiger und schneller, als es einer Schwangeren gebührt, Im Bett hoch. Dieser Teil Ihres ungewohnten Vorhabens gelang; sogar schmerzlos. Falls es also heute sein mußte, warum nldit etwas hinzulernen, warum nicht versuchen, wie manche Menschen es Ihr Leben lang tun, auch einmal Fuß nach Fuß aufzustehen? Welches Bein sie dabei vorauszuschicken hatte, überlegte die im Bett Sitzende nicht. Denn die Haxthauserln war auf der Hülshoifer Insel zwar die Gottgläubigste von Allen, darum zugleldi aber auch Inmitten der spöökenklekerigen Droste-Leute die Einzige, welche dem Aberglauben nicht das winzigste Tatscherfleln an Zins entrichtete. Da die Burgherrin