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Ein Prinz wird geboren
Am 12. Mai 1670 wurde dem sächsischen Kurprinzenpaar ein Sohn geboren, der in der Taufe den Namen Friedrich August erhielt. Die Glocken läuteten, die auf dem Turm der alten Kreuzkirche postierten Kanonen schössen Salut, die Geistlichkeit dankte dem Himmel für die erwiesene Gnade, die Stände traten zur Gratulationscour an und überreichten der jungen Mutter ein »Douceur«, ein Geschenk von einigen tausend Talern, aber mit dem verglichen, was rund anderthalb Jahre zuvor in Dresden geschehen war, hielt sich der Trubel in Grenzen.
Damals, im Oktober 1668, hatte die Kurprinzessin Anna Sophie, Tochter des Königs Friedrich HI. von Dänemark, ihren ersten Sohn zur Welt gebracht, den Thronfolger, der die Herrschaft der Dynastie in der dritten Generation sicherte. Noch regierte Kurfürst Johann Georg H., ein prachtliebender Monarch, der zum großen Ärger der Stände weit über seine Verhältnisse lebte, aber Johann Georg HI. stand schon bereit, und wenn er die Augen schloß, würde Johann Georg IV. die Geschicke des Landes in seine Hände nehmen. Zweitgeborene wie Friedrich August spielten in den Herrscherhäusern nur die Rolle einer Zusatzversichemng.
Trotzdem waren die Aussichten des Säuglings alles andere als trübe. Sachsen bettete nicht nur seine Kurfürsten, sondern auch seine Prinzen weich. Es gab im Heiligen Römischen Reich zahllose Territorien, deren Herrscher nicht einmal so viele Groschen hatten, wie die Wettiner Taler besaßen. Die jährlichen Einkünfte der Rentkammer, über die der Kurfürst nach freiem Ermessen verfügen konnte, betrugen um 1675