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VorwortAmerika taucht in den vier Reisen des Kolumbus auf als ein mißverstandenes, zwischen Westeuropa und Ostasien eingeschaltetes Fremdland. Der Genuese starb (1506) in dem Glauben, Asien und dessen vorgelagerte Inseln betreten zu haben.Wohl wandelte ihn auf seiner dritten Reise, im August 1498, eine Ahnung davon an, daß die von der Mündung des später Orinoko genannten großen Süßwassers ab westlich verstreichende Küste einem bisher unbekannten Festlande angehören könnte. Jedoch der Wahn, sich gerade hier den Gefilden des im Osten erhöht hegenden Paradieses einer birnförmigen Erde genähert zu haben, verhinderte ihn, die Wirklichkeit unvoreingenommen zu beurteilen. In solcher Befangenheit verzichtete er darauf, dem weiteren Verlaufe der Küste Südamerikas geduldig zu folgen. Das Neue fügte sich ihm nicht in den alten Rahmen der Geographie des Ptolemäus, die ihm als Richtschnur diente. So kehrte er alsbald nach Haiti zurück. Die Absicht, eine neue Welt zu entdecken, lag Kolumbus völlig fern. Er wollte vielmehr nach dem reichen Orient, der für Europa im Osten hegt, auf dem kürzesten Seewege von Westen her gelangen. Diesen Gedanken, der die Kugelgestalt der Erde voraussetzt, hatte der florentinische Gelehrte Toscanelh (13971482) in Briefen an Alfons V. von Portugal sowie in einer besonderen Seekarte (1474) wissenschaftlich begründet und, nach geographischen Gradabständen rechnend, niedergelegt. Allerdings wurde hierbei eine zu weit nach Osten reichende Erstreckung Asiens angenommen. Von dieser Karte wußte sich Kolumbus noch von Toscanelh selbst eine Kopie zu verschaffen. Sie war der Leitstern auf der ersten Reise des Ad-mirals (1492).