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DIE KUNST IN DER EPOCHE DES ABSOLUTISMUS
Micht das Gute, sondern das Schöne; nicht Gerechtigkeit, sondern Größe; nicht das Vernünftige, sondern das Außerordentliche sei das Ziel aller Handlungen und Entscheidungen in der Monarchie Ludwigs XIV. (1638-1715), so schrieb Montesquieu (1689-1755), und wenn er mit dieser Gegenüberstellung bürgerlich-humanistischer und aristokratisch-höfischer Ideale auch nicht das Wesen des Absolutismus erfaßt, so charakterisiert er doch sehr treffend die Grundzüge einer Denkweise, die für die herrschenden Kreise jener Zeit bezeichnend war und die das geistige und kulturelle Leben jener Epoche weitgehend bestimmte. Es sind die Ideale und Handlungsprinzipien der weltlichen und der geistlichen Feudalherren, es sind die Maximen einer aristokratischen Gesellschaft, die darauf bedacht sein mußte, ihr bevorzugtes, über den Alltag erhobenes Dasein in jeder Weise als selbstverständlich, als gottgewollt und unantastbar erscheinen zu lassen, und die sich den Maßstäben der Realität entziehen wollte, indem sie sich den mythischen Heroen und Halbgöttern zu verbrüdern suchte. Begriffe wie „schön", „groß" und „außerordentlich" lassen diese Absicht deutlich werden. Sie bezeichnen zugleich wesentliche Ziele, nach denen die führende Kunstrichtung jener Epoche, die Kunst des Barock, streben mußte, denn der Architektur, der bildenden Kunst und der Dekoration kamen im Rahmen der absolutistischen Machtausübung eine vorrangige Bedeutung zu. Wenn man heute die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts ganz allgemein als „Barock" bezeichnet, dann muß man sich bewußt sein, daß dieser Begriff sehr ungenau ist, denn die Kunst in jenem Zeitabschnitt ist durchaus nicht so einheitlich, wie die Bezeichnung des Stils vermuten läßt. Das Wort „Barock" soll aus dem Portugiesischen stammen, wo es soviel wie „schiefrund" bedeutete und hauptsächlich von den Juwelieren zur Bezeichnung einer unregelmäßigen Perlenform gebraucht wurde. Im 18. Jahrhundert tauchte der Begriff in Frankreich auf. Man beschrieb damit vor allem die dynamischbewegte Architektur Italiens und speziell Roms. Betonung und Verstärkung der lebhaft vortretenden architektonischen Glieder, Komplizierung des Grundrisses und der Raumform mittels schwingender Linien, illusionistische Erweiterung und Öffnung der
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