Bővebb ismertető
Vorwort
Die Kunst der Nachbarländer Ungarn, Tschechoslowakei, Polen und Jugoslawien ist uns Österreichern viel zu wenig bekannt. Selbst Klassiker der Moderne aus diesen Ländern wurden in Wien kaum gesammelt und selten gezeigt. So gibt es jetzt, wo die Grenzen offen sind und die Kunst der Avantgarde wieder frei gezeigt werden kann, viel zu entdecken und zu lernen. Mit der Ausstellung "Béla Uitz - Arbeiten auf Papier aus den Jahren 1913 - 1925" möchte die Albertina einen Beitrag zu dieser Entdeckung leisten. Erstaunlich ist, daß der bedeutende, progressive und linksintellektuelle Künstler entscheidende Jahre in Wien verbrachte, als er nach dem Sturz der Räterepublik aus Budapest fliehen mußte. Er erregte hier sogar die Aufmerksamkeit von Hans Tietze, dem großen Museumsmann, der so viel für die Moderne in Österreich getan hat. Dennoch konnte er sich in einem Klima, in dem eine zur Abstraktion neigende Kunst nur wenig Beachtung fand, kaum halten. Von Paris, wohin er sich dann wandte, ging er aus politischen Gründen weiter nach Moskau, wo er freilich bald unter stalinistischem Druck seine progressive Haltung aufgeben mußte.
Sein vom Frühkubismus, Fauvismus und Futurismus beeinflußtes Werk gehört zu den beachtlichsten Leistungen eines expressiv geprägten Kubismus in Mitteleuropa. Besonders seine um 1922 entstandenen und zum Teil in Wien ausgeführten Ikonenanalysen zählen zu den eindrucksvollsten Werken dieser Richtung. Sie brillieren durch Formkraft, aber auch durch besonders reichen und dichten Farbauftrag.
Uitz war vor allem auch ein bedeutender Zeichner und Graphiker: sowohl in Schwarz-Weiß, als auch in Farbe. Seine mit schweren Linien und Schatten umrissenen, kraftvollen Formen zeugen von großer Sicherheit und monumentaler Stärke. Er hätte sicher ein bedeutender Monumentalmaler werden und dann seine auf Fernwirkung berechnete große Sprache voll ausnützen können. Uitz beherrscht gleichermaßen das Porträt, die Figurendarstellung, die Landschaft und Architektur, wie auch die reine Abstraktion. Als ungarischer Künstler ist er ein Meister der rhythmisch gestalteten Fläche und der Arbeit mit der Farbe, welche die Formen gleichsam auf den Betrachter zukommen läßt, sodaß sie ihn stark beeindrucken müssen. Sein Werk kann sich auch auf internationalem Niveau behaupten und sollte in Zukunft bei Ausstellungen, die den Auswirkungen des Kubismus in Europa gewidmet sind, nicht fehlen.
Die Exponate stammen aus der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest, wo der Nachlaß des Künstlers verwahrt wird. Frau Éva Bajkay, Verfasserin einer Monographie über den Künstler und Kuratorin von Einzelausstellungen in Ungarn, Prag und Berlin, ist auch die Autorin des vorliegenden Kataloges. Ihr und Herrn Géza Csorba von der Nationalgalerie sei unser allerherzlichster Dank ausgesprochen. In der Albertina wurde die Austeilung von Marie Luise Sternath vorzüglich betreut. Auch ihr besten Dank.
KONRAD OBERHUBER