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Noch immer umranken Legenden die Persönlichkeit Sandro Botticellis. Früh fiei er in Vergessenheit. Schon das Cinquecento begegnete seiner Kunst mit offenbarem Abstand. Vasari, sonst glühender Bewunderer florentinischer Meister, würdigtBotticelli auffallend schwunglos. Eher vorwurfsvoll denn beeindruckt, schildert ihn als Grübler - persona sofistica der nach Laune lebte und darüber viel Zeit verlor. Bereits als Knabe unstet, habe er zuletzt dem rebellischen BuBprediger Savonarola so leidenschaftlich angehangen, dafí seine Maierei litt und Botticelli in Not geriet. Doch derselbe Gewáhrsmann berichtet auch, wie gern Botticelli SpáBe trieb, und Lorenzo de' Medici verspottet sogar seine Lust am Tafeln in einem bissigen Scherzgedicht. Heute falit es schwer, zu trennen, was davon auf Gerüchten, was auf Wahrheit beruht. Wohl schátzt der kunsterfahrene Vasari Einzelzüge in Botticellis Gemálden, aber ihm widerstrebte eine gewisse trockene, rohe und scharfe Manier. Damit war ein záhlebiges Vorurteil ausgesprochen. Noch Jacob Burckhardt fand für den phantasiereichen Maler der Primavera nur akademisch dürre, mehr rügende als tühmende Worte. Diesen Bann des Unverstándnisses durchstieBen erst die englischen Práraffaeliten. Aber die Aureole, womit sie den Florentineí nun plötzlich schmückten, verklárte Botticelli zu einer átherischen Erscheinung, die, gleichsam überbelichtet, alle konkrétén Kontúrén seines Lebens preisgab. Überliefert je-