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Von König Gudea zum Prinzen Karneval: 5000 Jahre Maske, Tanz und UmzugDer Wunsch des Menschen, sich zu verkleiden, in eine andere Rolle zu schlüpfen, ist älter als die Geschichtsschreibung. Seine Ursprünge werden schon in der Mythologie deutlich. Es den Göttern gleich zu tun, den Tod zu überwinden und so unsterblich zu werden, das sind die Wunschbilder aller frühen Kulturen - unverändert bis heute. Bei all seinen kultischen Ritualen hat der Mensch deshalb in seiner Frühzeit bereits Maske, Tanz und Umzug zum zentralen Punkt der Darstellung erhoben. Diese Dreiheit begleitet den Menschen durch seine Geschichte, sie ist bis heute lebendig geblieben in den verschiedensten Formen von Festen und Feiern. Eine dieser Entwicklungen führt im christlichen Kulturkreis zu den verschiedenen Spielarten der Fastnacht und des Karnevals, anderswo haben rituelle Feste und vor allem die Folklore die gleiche Wurzel.Solcherart Motive finden sich neben Jagdszenen übrigens auf den ältesten und bekanntesten Zeugnissen unserer Vorfahren. Die Höhlenzeichnung von Les Trois Freres beispielsweise ist bekannt geworden durch ihren Tänzer, der, in Felle gekleidet, mit einer Tiermaske einen Jagdzauber darstellt. Afrikas Ureinwohner, so zeigen Forschungen aus jüngster Zeit, haben ähnlichen Kulten angehangen.Seit die nomadisierenden Jäger seßhaft geworden sind und Ackerbau getrieben haben, sind anstelle der Jagd die Jahreszeiten und das Wetter in den Mittelpunkt religiöser Handlungen getreten. Wie ein roter Faden stehen in allen Kulturen Tanz, Maske und Umzug im Zentrum ihrer religiösen Handlungen, und das selbst dann, wenn bei ihnen kaum eine gemeinsame Wurzel ausgemacht werden kann. Bei aller Ernsthaftigkeit, mit der solche Zeremonien betrieben werden, wird daneben aber fast immer auch dem menschlichen Drang nach Fröhlichkeit nachgegeben. Die Götter, das wissen wir aus den Sagen, waren schließlich auch keine Kostverächter und haben es in ihrem Olymp oft menschlicher getrieben als ihre sterblichen Ebenbilder hienieden. Sophokles, der große griechische Philosoph, ist zu der Erkenntnis gekommen: Nur wenn die Vernunft schweigt, ist das Leben angenehm." Und auch der Humanist Erasmus von Rotterdam stellt im Mittelalter mit seinem Traktat Lob der Torheit" lapidar fest: Wunderbarerweise bringt es einem Narren besondere Ehre ein, die offene Wahrheit zu sagen. Wenn dasselbe ein Weiser sagte, würde es ihn den Kopf kosten. Spricht es aber ein Narr aus, bereitet es unvorstellbares Vergnügen."Diese Philosophie läßt sich durch die Geschichte verfolgen. Auf Tonziegeln hat Priesterkönig Gudea von Sirgulla uns überliefert, wie im alten Babylon vor immerhin fünftausend Jahren gefeiert worden ist, wenn nach dem Neujahrsfest die erneute Weihe der Tempel ansteht: Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen, die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt, und der Sklave geht an seines Herren Seite. Der Mächtige wie der Niedrige sind gleich geachtet." Sieben Tage lang, so schreibt er, haben diese Feste gedauert, es wurde gezecht und gegessen, was Keller und Küche nur eben hergegeben haben; die Babylonier badeten in einem Meer von Fröhlichkeit.Aus dem Babylon jener Zeit wissen wir außerdem, daß in der Prozession zum Heiligtum des Gottes Marduk ein prunkvoll geschmücktes Schiff auf Rädern mitgeführt worden ist, das von den Gläubigen gezogen wurde. Solcherart Schiffskarren" spielen auch bei jenen Feiern eine Rolle, die von den Ägyptern zu Ehren ihrer Göttin Isis veranstaltet worden sind. Die Seefahrer stellten sich unter den besonderen Schutz dieser Göttin. Der Isis-Kult hat sich über Griechenland bis in das christliche Rom hinein erhalten. Noch um 400 nach Christus finden in der Hauptstadt des untergehenden Reiches Isis-Prozessionen statt; erst im Jahrhundert darauf werden sie nicht mehr erwähnt