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WÄHREND der Winternächte wird es in der Rue Saint-Honore nur auf Augenblicke ruhig. Den Lärm, den die aus dem Theater oder vom Balle zurückrollenden Kutschen verursachen, setzen die Wagen der Gemüsehändler fort, die nach der Markthalle fahren. Mitten in diesem Orgelgebraus, das in der gewaltigen Symphonie des Pariser Straßenlebens gegen ein Uhr morgens ertönt, fuhr die Ehefrau des Parfümhändlers Cäsar Bi-rotteau — er wohnte in der Nähe des Vendome-Platzes — aus dem Schlafe auf. Ein fürchterlicher Traum hatte sie erschreckt.
Frau Konstanze Birotteau hatte eine Doppelgängerin von sich gesehen: in zerlumpter Kleidung, einen Stock in der harten, schwieligen Hand, stand sie auf der Schwelle ihres eigenen Ladens; zugleich aber saß sie auch in dem Schreibsessel ihres Kontors. Sie bat sich selbst um ein Almosen und hörte sich zugleich an der Tür und im Kontor reden. Als sie nach ihrem Manne, dessen Lager neben dem ihren war, greifen wollte, fanden ihre Hände seinen Platz leer. Da vermehrte sich ihre Angst dermaßen, daß sie ihren Kopf nicht zu bewegen vermochte. Die Kehle war ihr wie zugeschnürt, sie konnte keinen Laut von sich geben, sie riß die Augen weit auf, es sauste ihr in den Ohren, ihr Herz schlug heftig. In Schweiß gebadet richtete sie sich endlich entsetzt im Bette auf. Das Ehepaar schlief in einem Alkoven, dessen Flügeltür weit offen stand.
Die Furcht ist ein halb krankhaftes Gefühl, das, wenn es in die menschliche Maschinerie eingreift, deren Kräfte plötzlich entweder zu ihrer größten Leistungsfähigkeit treibt oder gänzlich versagen läßt. Die Physiologen haben lange Zeit vor dieser seltsamen Erscheinung verblüfft dagestanden, weil sie ihre Theorien umstürzt und ihre Folgerungen über den Haufen wirft. Indessen ist die Angst im Grunde nichts weiter als ein im Innern des Menschen
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