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Coltfinger [antikvár]

Coltfinger [antikvár]

 
NUMMER 359 KOMMISSARX GoltHnger Jos Urlaub in Saint Tropez war nicht etwa verregnet, sondern verhagelt — mit Blei Eine illustre Gesellschaft hatte sich im „Tambourin" eingefunden, um die Tanzkünste der rothaarigen Jessica zu bewundern. Eine illustre Gesellschaft? Kaum, denn unter ihnen befand sich ein Mörder, der die Bar mit einem Schießstand verwechselte und sein Opfer anvisierte, als handle es sich um eine Tontaube. Mit seinem faltigen Greisenhals und dem scharfgeschnittenen Raubvogelgesicht wirkte Colonel Lewald in seinem...
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NUMMER 359 KOMMISSARX GoltHnger Jos Urlaub in Saint Tropez war nicht etwa verregnet, sondern verhagelt — mit Blei Eine illustre Gesellschaft hatte sich im „Tambourin" eingefunden, um die Tanzkünste der rothaarigen Jessica zu bewundern. Eine illustre Gesellschaft? Kaum, denn unter ihnen befand sich ein Mörder, der die Bar mit einem Schießstand verwechselte und sein Opfer anvisierte, als handle es sich um eine Tontaube. Mit seinem faltigen Greisenhals und dem scharfgeschnittenen Raubvogelgesicht wirkte Colonel Lewald in seinem dunkelblauen Anzug wie ein Leichenbeschauer im Drange seiner Geschäfte. Hingegen hatte der zierliche Brian Saint Clair viel von einem disziplinierten Jockey, der mit Duldermiene statt saftiger Steaks fades Gras inhaliert, um die obligaten hundert Pfund Gewicht für den Sattel zu halten. Marshai Boyer, der dritte Gentleman., gab sich vor Vitalität so prall wie eine Schweinsblase. Seine aufgeschwemmte Figur hielt den Vergleich mit einem zu stark aufgeblähten Taucheranzug aus. Die einzige Dame am Tisch war Mrs. Boyer; ein superblondes, überschlankes Luderchen mit den Möglichkeiten einer Rakete in der Erprobung. Wie auch die anderen Gäste der Bar „Tambourin", folgten die drei den Darbietungen der Schönheitstänzerin auf der kleinen Bühne. Während Saint Clairs langes Gesicht ausdruckslos blieb, Colonel Lewald mit Interesse zusah, wie das Mädchen zu den Klängen verjazzter Barockmusik ihr Korsett aufhakte, umspielte ein wissendes Lächeln den Mund Marshai Boyers. Was die tizianrote Jessica dem Publikum darbot, war mit abgewässertem Quark zu vergleichen. Er durfte sich glücklich schätzen, die Kleine näher kennengelernt zu haben. Boyer blickte auf seine Frau. Es schien ihn nicht weiter zu stören, daß sie ausgiebig mit einem jungen Fant flirtete, der sich nicht wesentlich von den Gammlern in St. Tropez unterschied. Der Junge hatte Boyer gegenüber nicht nur den Vorzug der Jugend. Er war blond und schlank und von der Sonne gebräimt. In der enganliegenden' roten Samthose, der weißen Bluse mit den Spitzenjabots imd mit den weichen fließenden Bewegungen seiner linken Hand wirkte er allerdings recht feminin. Boyer grinste angeekelt. Das war nun der Geschmack seiner Frau! Nun, es war ihm nicht schwer gefallen, sich damit abzufinden. Das Licht auf der Bühne und die roten- Scheinwerfer steckten um einige Helligkeitsgrade zurück. Jessica benutzte diesen Umstand, um sich vollends ihres silbernen Korseletts zu entledigen. Sie lächelte und verbeugte sich. Beifall brandete auf. Die Musiker legten noch einige Schaufeln zu. Der Flötist der Combo Meß brillante Kaskaden der freien Improvisation auf die Nachtklubgäste hinunterrieseln. Wie besessen wedelte der Drummer mit taschenspielerischer Eleganz 2 den Jazzbesen über den Rand des Nietenbeckens. Der Bassist griff atonal, das Ohr verzückt seinem Instrument zugeneigt. Der Pianist, dessen Augen durch eine dunkelblaue Sonnenbrille bewehrt waren, löste den Flötist mit einem knochenhart gespielten Chorus im Garner-Stil ab. Jetzt näherte sich Jessica in kleinen Tanzschritten der Bühneimiitte, wo eine Couch stand, auf dem ein menschliches Skelett saß und aus leeren Augenhöhlen und mit gebleckten Zähnen das Mädchen angrinste. Jessica hakte umständlich ihren Reifrock auf und stieg heraus. Ein silbernes Badehöschen, schwarze Netzstrümpfe und silberne Stöckelschuhe, gekonnt dargeboten, ließen den Beifall erneut aufbranden. Als Jessica sich anschickte, die letzten Hüllen abzustreifen, erlosch das Licht beinahe ganz. Unter den Rhythmen eines Schlagzeugsolos wand sich ihr biegsamer Körper wie in Ekstase. Der Strip endete mit einem Break des Drummers. Das Mädchen sank wie eine leblose Gliederpuppe zu Boden. Erneut tosender Beifall. Das Licht flammte auf, die Gäste griffen nach ihren Gläsern. Dann kam der Moment, da Jessica sich, erheben, dem Publikum danken und dann abgehen mußte. Aber nichts dergleichen geschah. Jessica blieb auf dem harten Bühnenboden liegen und rührte sich nicht. Der Beifall verebbte, die Musiker sahen sich an. Schließlich stand der Pianist von seinem Klavierschemel auf und trat zu Jessica. Er faßte ihren rechten Arm und hob ihren Oberkörper an. „Hallo, Jess", sagte er, „du kannst abtreten." Jessica antwortete nicht. Ihr Kopf pendelte hin vmd her. „Was, ist mit der Krabbe?" rief ein Spaßvogel aus dem Publikum. „Ist sie eingeschlafen?" Der Pianist hielt noch immer das reglose Mädchen in seinen Armen und entdeckte dann den roten Fleck auf ihrer Brust. Sanft ließ er den Oberkörper Jessicas zu Boden gleiten. Dann richtete er sich auf. Sein Blick streifte scheu den

Termékadatok

Cím: Coltfinger [antikvár]
Kiadó: Erich Pabel GmbH & Co.
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 160 mm x 220 mm
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