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Zu diesem Buch
Der hier vorliegende Roman erzählt mit dramatischer, ganz nach innen verlagerter Spannung aus den Tagen jener französischen Rési-stance, die schließlich im Existentialismus Sartrescher Prägung ihre gedankliche Formulierung fand. Denise und Helene, Faul, Jean und Marcel sind junge Frauen und junge Männer bürgerlicher Herkunft, die antibürgerlich denken; einsame Ichbezogene, monologische Existenzen, die unverantwortlich handeln und erst in der letzten Stunde tragischer Verstrickung die Verantwortung für den anderen entdek-ken. Literaturkenner rühmen diesen Roman als den besten und präzisesten, den Simone de Beauvoir vor ihren mit dem «Prix Goncourt» ausgezeichneten «Mandarins von Paris» (1954; rororo Nr. 761) geschrieben hat.
Die Autorin, am 9. Januar 1908 in Paris geboren, ist eine führende Repräsentantin des französischen Existentialismus in der Literatur. Sie studierte an der Sorbonne Philosophie, bereiste als Studentin die Schweiz, Italien, Griechenland, Marokko, Tunesien, Portugal und Amerika und unterrichtete in den Jahren von 19 31 bis 1941 an Lyzeen in Marseille, Ronen und Paris. Ihre erzählenden, dramatischen und essayistischen Arbeiten sind ganz von einer materialistisch-existen-tiellen Weltanschauung bestimmt. Die Autorin ist vor allem bestrebt, Ideen darzustellen, aber sie ist Künstlerin genug, die Personen ihrer Dramen und Romane niemals zu bloßen Ideenträgern werden zu lassen. Sie will dem Menschen helfen, «das unglückliche seiner Lage zu akzeptieren». Ein Grundzug ihres Werkes ist die Kritik an einer nur durch den Mann bestimmten sozialen Ordnung und die Forderung nach einer vollständigen Emanzipation der Frau.
Weitere Werke von Simone de Beauvoir: «Sie kam und blieb» (1943; rororo Nr. 1310), «Alle Menschen sind sterblich» (1946; rororo Nr. 1302), «Amerika - Tag und Nacht» (1948), «Das andere Geschlecht» (1949; rororo Nr. 6621), «China» (1957), «Memoiren einer Tochter aus gutem Hause» (19$8; rororo Nr. 1066), «In den besten Jahren» (i960; rororo Nr. 1112), «Der Lauf der Dinge» (1963; rororo Nr. 1250), «Ein sanfter Tod» (1964; rororo Nr. 1016), «Die Welt der schönen Bilder» (1966; rororo Nr. 1433), «Eine gebrochene Frau» (1967; rororo Nr. 1489) und «Das Alter» (1970) - deren deutsche Ausgaben im Rowohlt Verlag erschienen sind.
Als er die Tür öffnete, richteten sich alle Augen auf ihn:
«Was wollt ihr von mir?» fragte er.
Laurent saß rittlings auf einem Stuhl vor dem Herd.
«Hast du dich entschieden? Ich muß wissen, ob es morgen früh losgehen soll oder nicht», sagte Laurent.
Morgen. Er sah sich um. In dem Zimmer roch es nach gekochter Wäsche und Kohlsuppe. Madeleine rauchte, die Ellbogen auf die Tischdecke gestützt. Denise hatte ein Buch vor sich. Das Leben ging weiter. Für sie würde diese Nacht ein Ende haben; für sie würde es ein Morgengrauen geben.
Laurent sah ihn an.
«Wir können nicht länger warten», sagte er leise. «Ich muß um acht Uhr dort sein, wenn ich es tun soll.»
Er sprach vorsichtig, wie mit einem Kranken.
«Natürlich.»
Er wußte, daß man eine Antwort erwartete, aber er konnte nicht antworten.
«Komm morgen früh, wenn du aufgestanden bist, zu mir. Du brauchst nur anzuklopfen. Ich will es mir noch einmal überlegen.»
«In Ordnung. Ich komme gegen sechs Uhr», sagte Laurent
«Wie geht es ihr?» fragte Denise.
«Im Augenblick schläft sie», sagte er.
Er ging zur Tür.
«Ruf, wenn du etwas brauchst», sagte Madeleine. «Laurent legt sich hin. Aber wir bleiben die ganze Nacht auf.»
«Danke.»
Er stieß die Tür auf. Entscheiden. Die Augen sind geschlossen; sie röchelt; die Bettdecke hebt und senkt sich; sie hebt sich zu schnell; das Leben zeigt sich zu deutlich, zu heftig; es wird erlöschen, beim Morgengrauen wird es erloschen sein. Sie leidet. Durch meine Schuld. Erst Jacques, nun Hélene. Weil ich sie nicht geliebt habe, und weil ich sie geliebt habe; weil sie zu nah herangekommen ist, und weil sie sich so weit entfernt hat. Weil es mich gibt, und dieser brutalen Tatsache hat sie sich unterwerfen müssen; sie, die frei, unabhängig und ewig ist, wurde unversehens an meine Existenz gekettet und mit den mechanisch aufeinanderfolgenden Augenblicken meines Lebens unauflöslich verbunden; und am Ende dieser schicksalhaften