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Einleitung
§ I. Das Lukas-Evangelium als Literatur- und Geschichtswetk
Der Evangelist Lukas nennt seine Darstellung der Geschichte Jesu Christi 5iiiyriais, d.h. Bericht, Erzählung. Während Markus von seinem Bericht als vom euayyeAiov spricht und damit aussagt, daß er Verkündigung ist, in der der Verkündigte präsent ist.^ wählt Lukas den nüchternen Ausdruck Siqyriais^ und vermeidet nicht nur in seiner Einleitung, sondern in seinem Schrifttum überhaupt den Begriff EuayyeAiov.® Durch das Vorwort wird sein Bericht als Literaturwerk gekennzeichnet; die bisherige Evangelienliteratur, Johannes Markus und die Quellen, auf die Lukas zurückgreifen kann, war für das innergemeindliche Leben bestimmt; Lukas schreibt ein Werk, das auf den Büchermarkt kommen soll; zu diesem Zweck wird es einem wohlhabenden und angesehenen Manne gewidmet. Durch die in dem Bericht vorgenommenen weltgeschichtlichen Verklammerungen der berichteten Geschehnisse (vgl. Luk. 1,5; 2,1 f.; 3,1 f. u. ö. in der Apostelgeschichte) wird das literarische Werk des Lukas zugleich zu einem Geschichtswerk und sein Verfasser zum Historiker; als solcher weist er sich im Vorwort aus. Dabei wird deutlich, daß sein Werk von Anfang an nicht allein auf die Geschichte Jesu Christi hin angelegt war, sondern den Gang der Botschaft von Jerusalem bis Rom einschloß. Das wird aus dem 8v 'nijiiv in Luk. 1,1 deutlich. Den Verfasser leitet, wie Rudolf Bultmann es formuliert hat, ,,die Auffassung vom Christentum als einer weltgeschichtlichen Größe".^
Was den Bericht des Lukas erfüllt, sind nach seiner eigenen Aussage im Prolog ,,die Geschehnisse, die unter uns zur Erfüllung gekomhien sind". So gewiß für Lukas das, was er berichtet, zur weltgeschichtlichen Größe geworden ist, so gewiß ist es das nicht aus sich, sondern es setzt sich aus einer Reihe der einander folgenden Taten Gottes zusammen; sie, die ,,Großtaten Gottes" (Apg. 2,11) machen den Inhalt sowohl der apostolischen Predigt wie den seiner Darstellung aus. Lukas ist der ,.Theologe der Heilsgeschichte" genannt worden, der mit
^ Vgl. dazu Grundmann, Das Evangelium nach Markus, S. iff., ^ Der Aussage 6 -rrpcoTos Aoyos für das Lukas-Evangelium in Apg. i dürfte der gleiche Sinn innewohnen; der lukanische Ursprung des Anfangs der Apostelgeschichte ist jedoch umstritten.
® Vgl. dazu W. Marxsen, Der Evangelist Markus, S. 77f., 95 ff.; Lukas braucht das Verbum EOayysAi^effSai im Sinne der mündlichen Verkündigung einer guten Botschaft. Zu den beiden Stellen Apg. 15,7 und 20,24 vgl. auch Marxsen, a. a. O., S. 78, Anm. I; für sie ist bezeichnend, daß EÜayyeAiou inhaltlich näher bestimmt wird.
BuUmann, Theologie des Neuen Testaments, S. 462.