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Selbst in dem Lande, in dem es zu seiner künstlerisch höchsten Form gelangte, nämlich in Frankreich, vermochte sich das Pastell nicht immer unbestrittener Anerkennung zu erfreuen. Die Parteien waren geteilt. Seit Grimm, der fruchtbarste aller französischen Enzj'klopädisten, das Pastell bei Diderot denunzierte „jedermann ist überzeugt, daß das Pastell der Aufmerksamkeit eines großen Malers unwürdig ist", ist dem armen Pastell bis heute die Mißachtung von Praktikern und Theoretikern ständig gefolgt. Diderot selbst — überhaupt das klassische Beispiel dafür, wie gründlich der ausgesprochene Literat die bildende Kunst mißverstehen kann — rief einmal dem großen La Tour witzig zu: „Bedenke, Mensch, daß du nur Staub bist!" Womit er die Vergänglichkeit des Pastells geißeln wollte. Ein Vorwurf, bis heute ständig wiederholt und im Grunde vollkommen unberechtigt. Nur das falsch behandelte Pastell in seiner Empfindlichkeit ist der Vergänglichkeit ausgesetzt, das sorgfältig behandelte Pastell hat sogar dem Ölbilde gegenüber die Vorzüge seiner Trockentechnik: die Meisterpastelle des 18. Jahrhunderts erstrahlen noch heute im Glänze ihrer ursprünglichen Farben. Keine Tücken der feuchten Technik, des Firnisses und des Malgrundes haben ihr Aussehen wie das vieler Ölbilder bis zur Unkenntlichkeit verwandelt. Auch die Tatsache, daß dem Pastell vieles nicht ausdrückbar ist, was die Öltechnik ausdrücken kann, diente schon früh zu Vorwürfen. Millevoye dichtete:
Des portraits monstrueux et des maigres pastels
Remplacent aujourd'hui tes tableaux immortels.
Bis in die neueste Zeit hinein, die doch in Degas und nicht nur in ihm wieder Pastellisten großen Stils hervorbrachte, folgte dem armen Pastell das Verdammnisurteil. Lovis Corinth, der selbst hier und da pastellierte und für die Größe des Degas auf diesem Gebiete ein richtiges Gefühl hat, schreibt in seinem Buch „Das Erlernen der Malerei": „Das Pastell wird, wenn man auch mit dem größten Ernst herangeht, immer den Anschein von etwas Billigem haben, schon wegen der angenehmen Farbenwirkung von