Bővebb ismertető
über dieses Buch
Das Scheusal heißt Mucki und ist ein alter, bhnder, unsäglich verwöhnter Hund. Alice Herdan-Zuckmayer erbte ihn - als »Verpflichtung« von einer schrulligen Tante. Als Zuckmayers 1938 aus Österreich flohen, mußten sie den wertvollsten Teil der Erbschaft zurücklassen, aber Mucki begleitete sie auf allen Wegen des Exils. Mucki erlebte die Überfahrt in die USA in trunkenem Zustand, passierte den Zoll als »wertloses« Hundetier und erreichte auch noch die »Farm in den grünen Bergen«, WO er hochbetagt und tief betrauert starb. Dieses Buch zählt zu den großen Tiergeschichten, die über den Menschen so viel aussagen wie über die Kreatur, aber es gehört auch zu den großen autobiographischen Zeugnissen unserer Literatur.
Das erste Kapitel
Ich hatte eine Tante, die starb zweimal im Jahr.
Sie war die einzige Schwester meiner Mutter. Ich war die einzige Tochter meiner Mutter. Ich war die einzige Nichte meiner Tante. Meine Mutter und meine Tante hatten eine seltsame Beziehung zu einander. Die Geschwister pflegten sich leidenschaftlich zu lieben oder abgründig zu hassen und dies in so unberechenbaren Abständen, daß selbst die eingespieltesten Mitwirkenden, wie Freundinnen, Dienstmädchen und Ärzte, die bedeutende Rollen in diesen Kampfhandlungen darzustellen hatten, mitunter falsche Stichworte brachten tmd noch in den Vokabeln des Hasses redeten, während über den Geschwistern längst die Wellen der Zärtlichkeit zusammengeschlagen waren.
Die Perioden der Liebe und des Hasses waren an keine Jahreszeiten gebunden, wohl aber fiel der Abschied meiner Tante vom Leben mit einer gewissen Regelmäßigkeit in die letzten Tage des Maimonats und in den Anfang des Dezembers. Kreuzten sich nun diese Daten mit den Haßanfällen der Geschwister, weigerte sich meine Mutter, zu ', ihrer Schwester zu gehen, und schickte mich in die Ab- , lebesmnde meiner Tante.
Im Alter von sechs Jahren wurde ich zum ersten Male zu
ihr gesandt. Meine Tante besaß ein Telephon, und meine
Mutter besaß ein Telephon, ein rarer Besitz in jenen Tagen. Das Stubenmädchen der Tante hatte die Köchin meiner
Mutter angerufen und ihr mitgeteilt, es sei soweit. .
Die Tante hatte einen Mietfiaker mit Kutscher, der wartete .
vor der Türe unseres Wohnhauses.
Der Kutscher war ein wortkarger Mensch und damit eine ungewöhnliche Erscheinung in Wien.