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Die Geburt im Walde
A.
lIs das Kind des Waldarbeiters Hofschaffer zur Welt kam, war es ein Knabe. Mann und Frau waren glücklich über die Geburt ihres Erstlings. Sie nannten den Kleinen Juppi, zur Erinnerung an einen Waldfinken, den die Mutter in ihrer Mädchenzeit drüben im Böhmischen gehegt hatte. Der Name klang fröhlich, das Neugeborene sollte auch ein fröhliches Kind werden.
Heute morgen in der fünften Stunde, als es noch tiefdunkel und still ringsum war, hatte sich die kleine Menschenseele unter dem ärmsten Dach weit und breit in der engen Schlafstube aus dem Himmel der Ungeborenen niedergelassen und blinkende Augen aufgetan. Erblüht war der neue Trieb am Baum des Lebens, und nun war man zu dritt: Vater, Mutter, Kind.
An einem auserwählten Tag war das Kind gekommen, doch bei Frost und hohem Schnee, der die Wälder des Bayemwaldes begrub und die Berge bedeckte; an einem von Liebe strahlenden, geheim klingenden Tag hatte sich die neue Seele eingefunden: am Weihnachtstag, in der geheiligten Zeit, am Tag des schönsten Abends im Jahr. Wie sieht das Kind aus?
Der Vater beugt sich über das Bett seiner Frau Stasi, die matt in den weißen Kissen liegt. Ihr Gesicht leuchtet von Glück, die Stirn glänzt, wachsbleich zeichnet sie sich vom Ansatz des böhmischen Weizenhaares ab.
»Ja, es war nicht leicht, Stasi!« meint er.
Es war nicht leicht gewesen. Aber Juppi war auf der Welt. Wie lange hatten sie beide auf ihn gewartet! Der Mann, ein wenig linkisch in seiner Zärtlichkeit, drückt seiner Frau einen Kuß auf die Stirn. Er ist darin ungeübt, er arbeitet Tag um Tag im Wald. Früh geht er fort, abends kommt er heim. Nur in sehr schweren Wintern, wenn die Schneisen verweht und die Wege verloren sind, gibt es im Hochwald nichts zu roden, nichts zu fällen und zu hacken, dann bleibt der Hofschaffer daheim und schneidet Skihölzer, büttnert Wasserschaffe und Kornmetzen. So bringt er sich durch. Wie sieht es aus, das Kind?
Ein paar Glücksworte drängen sich dem Vater über das Herz, doch sind sie lautlos, die Lippen bleiben geschlossen. Die Spitzen seines dunkelblonden Zwirbelschnurrbarts hängen zu beiden Seiten des Kinns, in seinen Augen lacht blaue Freude. Die magern Knochenwangen glühn.
Das kleine Würmchen, denkt sich Hofschaffer.