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Erstes Kapitel Das Messer bahnte sich einen Weg durch das Gewebe. Es legte Fett frei, durchschnitt Muskelhüllen, ließ Fleisch zum Vorschein kommen, durchtrennte endlich das Bauchfell. Als sei es auf ein Sdilangennest gestoßen, so quollen plötzlich die Därme an die Oberfläche. Professor Wilhelm Joseph, der Chefarzt, preßte die Verschlingungen mühsam zurück. „Nicht Sie, Herr Dr. Steinbach, sollen schlafen", sagte er dabei mit fast unbetonter Stimme, „sondern der Patient soll das tun." Der gerügte Arzt murmelte hastig: „Ich...
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Erstes Kapitel Das Messer bahnte sich einen Weg durch das Gewebe. Es legte Fett frei, durchschnitt Muskelhüllen, ließ Fleisch zum Vorschein kommen, durchtrennte endlich das Bauchfell. Als sei es auf ein Sdilangennest gestoßen, so quollen plötzlich die Därme an die Oberfläche. Professor Wilhelm Joseph, der Chefarzt, preßte die Verschlingungen mühsam zurück. „Nicht Sie, Herr Dr. Steinbach, sollen schlafen", sagte er dabei mit fast unbetonter Stimme, „sondern der Patient soll das tun." Der gerügte Arzt murmelte hastig: „Ich werde sofort etwas Curare dazugeben." Kaum hatte er dem Patienten das lähmende Gift eingespritzt, ließ die Spannung der Organe nach. Professor Joseph stieß jetzt in einer befehlenden Geste zwei Finger der linken Hand empor: „Haken!" sagte er. Der Assistent setzte die Instrumente in die Schnittränder ein und zog die Wunde auseinander. Professor Joseph erweiterte den Schnitt, tastete sich dann mit der Hand in die Öffnung hinein. Am Nebentisch erstarb das Klappern der Instrumente. Während der Professor mit der bloßen Hand behutsam im Innern des Kranken umhersuchte, blickte er immer wieder zu dem erleuditeten Schaukasten, an dem das Röntgenbild des Magens, den er abfühlte, aufgehängt war. Jetzt schloß er die Augen; sein Gesicht wurde ernst. Der Assistent drehte sich unwillig um, weil im Nebenraum der Wasserhahn tropfte. Professor Joseph zog die Hand aus der Wunde. Er öffnete die Augen. „Inoperabel " Das Wort fiel hart in die Stille. Urteil eines Richters, Todesspruch. Schwestern und Ärzte zuckten zusammen, Joseph blickte sich stirnrunzelnd um: „Herr Baumer — ach, kommen Sie doch mal her!" Er trat beiseite, um dem Oberarzt Einblick in die Wunde zu gewähren. Mit der Pinzette deutete er auf ein lilafarbenes Organ, das mit grauweißen Knoten und Knötchen dicht übersät war. „Hier, die Leber sitzt schon voller Metastasen, und" — mit dem Zeigefinger hob er sacht das Bauchfell an — „das Peritoneum ist auch davon befallen." „Der Tumor selber?" Dr. Baumer hob fragend den Kopf. „Hat den gesamten Magen ergriffen und ist in die Bauchspeicheldrüse eingewachsen. Der Fall ist hoffnungslos. Man kann nicht mal etwas machen, um dem armen Kerl wenigstens ein bißchen Linderung zu verschaffen." Unschlüssig sah er auf die Wunde. Er überprüfte im Geiste noch einmal alle Möglichkeiten. Dann drehte er sich so rasch herum, als könne er den Anblick nicht länger ertragen, und

Termékadatok

Cím: Der Chefarzt [antikvár]
Szerző: Peter Sebastian
Kiadó: Verlegt bei Kindler
Kötés: Vászon
Méret: 120 mm x 190 mm
Peter Sebastian művei
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