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Henry Morton Robinson - Der Kardinal [antikvár]
 
VORWORT Ein Schriftsteller mag es vorziehen, jede Ähnlichkeit zwischen den Personen seines Romans und irgendwelchen noch, oder nicht mehr, lebenden Menschen in Abrede zu stellen. Zwar bin ich hierzu bei vielen meiner Gestalten aus dem „Kardinal" bereit, möchte aber nicht behaupten, daß Stephen Fermoyle ausschließlich ein Produkt meiner Phantasie ist. Richtiger wäre es meiner Ansicht nach, ihn als eine Mischung all der Priester hinzustellen, die ich jemals kennengelernt habe — vor allem jener, die den geheimnisvollen Eindruck ihres...
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VORWORT Ein Schriftsteller mag es vorziehen, jede Ähnlichkeit zwischen den Personen seines Romans und irgendwelchen noch, oder nicht mehr, lebenden Menschen in Abrede zu stellen. Zwar bin ich hierzu bei vielen meiner Gestalten aus dem „Kardinal" bereit, möchte aber nicht behaupten, daß Stephen Fermoyle ausschließlich ein Produkt meiner Phantasie ist. Richtiger wäre es meiner Ansicht nach, ihn als eine Mischung all der Priester hinzustellen, die ich jemals kennengelernt habe — vor allem jener, die den geheimnisvollen Eindruck ihres priesterlichen Amtes in meiner jungen Seele hinterließen. Alles Einfühlungsvermögen in das Leben eines Priesters, das ich besitzen mag, verdanke ich diesen unauslöschlichen Eindrücken, die sich mit der Zeit nur immer tiefer und klarer in mir festsetzten. Auf diesem scheinbar schwachen Grund, gestützt durch gewissenhaftes Studium und Beobachtungen in reiferen Jahren, habe ich versucht, den vielräumigen Tempel von Stephen Fermoyles Charakter zu er= richten. Mancher wird diesen Versuch arunaßend finden. „Wie kann ein Laie", wird man fragen, „sich dem Altar als zelebrierender Prie= ster nahen, als Nachlaßgeber den Beichtstuhl betreten, den Bischofs= Stab schwingen und sich den roten Hut des Kardinals aufsetzen dürfen, der Kirchenfürsten allein vorbehalten ist?" Obgleich ich zu= gebe, daß die Seele des Priesters im verborgenen liegt, habe ich dennoch das Gefühl, daß das kirchliche Milieu, ein bisher stark ver= nachlässigtes Gebiet, für einen Schriftsteller starke Reize hat. Es wird den Leser vielleicht interessieren, zu erfahren, daß ich, heute wie von Jugend auf, Katholik bin. Mag ich ein „guter" Katho= lik sein oder nicht, so geht das sicherlich allein meinen Herrgott und mich etwas an. Ich habe nie den Wunsch empfunden, Priester zu werden. Bewunderung und Ehrfurcht gegenüber der priesterlichen Tätigkeit haben mich, den Schriftsteller, jedoch seit langem erfüllt. Diese Gefühle habe ich im „Kardinal" auszudrücken versucht, durch Prolog AUF HOHER SEE w ie schon so mancher Florentiner vor ihm, besaß auch Gaetano OrselH, Kapitän und unumschränkter Herr des Luxusdampfers „Vesuvio", eine besondere Vorhebe für Juwelen. In jüngeren Jahren hatte er der Versuchung nicht ganz widerstehen können, seine Per= son — vor allem seine Hände — mit kostbaren Steinen zu über= laden; nun aber, Mitte der Vierzig, hatte sein Geschmack sich geläu= tert. Das Kleinod selbst war für Kapitän Orselli zum Gegenstand einer heiligen Handlung geworden. Er begnügte sich damit, jeweils einen einzigen Ring zu tragen, und verwandte sein in der Tat außerordentliches Gefühl für Wirkung nur darauf, bei besonderen Gelegenheiten stets den genau dazu passenden Ring auszusuchen. Am heutigen Abend wählte Kapitän Orselli seinen Ring mit be= sonderer Sorgfalt. In wenigen Minuten würde er auf der Kom= mandobrücke der „Vesuvio" in Erscheinung treten, um einigen dort versammelten, eigens dazu geladenen Passagieren der ersten Klasse die Wunder des Himmelsgewölbes zu zeigen — die Gestirne, die Planeten und Sternbilder. Unschlüssig über seine Ringkassette gebeugt, schwankte er zwi= sehen einem hochgewölbten Smaragd und einem Rubin aus Burma. Der Kapitän besaß Dutzende von Ringen und hätte wohl Hun= derte besitzen können, wäre es ihm nicht zur unüberwindlichen Gewohnheit geworden, sie an Frauen weiterzuschenken — möglichst nordische Frauen mit weizenblondem Haar, üppigem Busen und blauen Augen. Nachdem er sich für den Rubin entschieden hatte, ließ er ihn feierlich über den glänzendpolierten Nagel seines rechten Zeigefingers gleiten und schob ihn tiefer zum Knöchel hinunter. Mit dem Zer= stäuber parfümierte er seinen de=Reszke=Bart, gab dem goldbetreß= ten Zweispitz genau die Neigung der Schornsteine der „Vesuvio" und überprüfte dann die Wirkung seiner Person von allen Seiten in

Termékadatok

Cím: Der Kardinal [antikvár]
Szerző: Henry Morton Robinson
Kiadó: Deutsche Buch-Gemeinschaft
Kötés: Félbőr
Méret: 130 mm x 210 mm
Henry Morton Robinson művei
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