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Heinrich Schütz - Der Schwanengesang [antikvár]

Der Schwanengesang [antikvár]

Heinrich Schütz

 
VORWORT Der Erstdruck eines bedeutenden, über dreihundert Jahre alten Werkes im letzten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts darf als außergewöhnliches Ereignis gelten, insbesondere als es sich dabei um das opus ultimum Heinrich Schütz' handelt, der am Ende seines langen Lebens den legendären Ruhm „saeculi sui Musims ex-cellentissimus" besaß, wie auf der Grabtafel in der alten Dresdner Frauenkirche zu lesen war. Es sind Kompositionen des großen Mannes zwischen seinem 80. und 86. Lebensjahr, Kunstäußerungen von höchster Reife und...
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VORWORT Der Erstdruck eines bedeutenden, über dreihundert Jahre alten Werkes im letzten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts darf als außergewöhnliches Ereignis gelten, insbesondere als es sich dabei um das opus ultimum Heinrich Schütz' handelt, der am Ende seines langen Lebens den legendären Ruhm „saeculi sui Musims ex-cellentissimus" besaß, wie auf der Grabtafel in der alten Dresdner Frauenkirche zu lesen war. Es sind Kompositionen des großen Mannes zwischen seinem 80. und 86. Lebensjahr, Kunstäußerungen von höchster Reife und testamentarischem Gewicht. Die späte Entstehungszeit dieser doppelchörigen Psalmvertonungen bezeugt der kursächsische Oberhofprediger D. Martin Geier in seiner Kurtzen Be-schreihungDes (Tit.) Herrn Heinrich Schützenst Chur-Fürstl. Sachs, ältem Capellmeisters / geführten mühe-seeligen Lehens-Lauff von 1672. Darin teilt er mit, daß Schütz in seinen letzten Lebensjahren ,,auch noch immer stattliche Compositiones über etliche Psalmen Davids / sonderlich den 119. item die Passion nach drey Evangelisten mit großem Fleiß verfertiget" habe.' Des Königs und Propheten DAVIDS Hundert und Neunzehender Psalm ist mit seinen 176 Versen die umfangreichste Dichtung des Psalters. Sie folgt dem hebräischen Alphabet in der Weise, daß je acht Verse mit demselben Buchstaben beginnen, der ganze Psalm daher, entsprechend der Anzahl der Buchstaben, in 22 Achtversgruppen gegliedert ist. Schütz faßt je zwei dieser Versgruppen, d. h. 16 Verse, in einer Motette zusammen und vertont somit in elf Werken die ganze, das Gesetz Gottes preisende Psalmdichtung.^ Als Anbang fügt er, ebenfalls für zwei Chöre zu je vier Stimmen, Vertonungen des 100. Psalms Jauchzet dem Herren, alle Welt und des Magnificat Meine Seele erbebt den Herren an. Zusammen mit diesen beiden Werken, die von ihrer tonalen Ordnung wie von ihrem Textinhalt her organisch in das Ganze integriert sind, bilden die elf konzertierenden Motetten einen gewaltigen Zyklus, der den hochbetagten, oft in Weißenfels lebenden Komponisten über einige Jahre hin beschäftigt haben dürfte. Mit dem Abschluß der nicht erhalten gebliebenen autographen Partitur, mit der Reinschrift der Stimmen in Dresden und mit dem Druck der dazugehörigen Titelblätter sowie der Catalogus genannten Inhaltsverzeichnisse am Ende jedes Stimmbuchs lag er 1671 vollendet Soweit ersichtlich, hat für Schütz von Amts wegen keine Verpflichtung bestanden, den 119. Psalm motettisch zu vertonen. Im Rahmen der Hofmusik kam für diesen Text weder die Stelle des Introims in Frage, noch finden sich Anhaltspunkte, daß er für sonstige große Figuralmusik im Hauptgottesdienst oder in der ,,Hohen musicalischen Vesper" verwandt worden ist. Lediglich in den verschiedenen täglichen Nebengottesdiensten (Betstunde, Wochenpredigt, gewöhnliche Vesper) trat er in Erscheinung. In ihnen wurde zweimal innerhalb eines Jahres der ganze Psalter entweder schlicht rezitierend oder - im 17. Jahrhundert - liedmäßig in den Bereimungen durch Martin Luther und Cornelius Becker durchgesungen, wobei für die Bek-kerschen Strophen die Melodien Heinrich Schütz' benutzt wurden. Für die 88 Strophen Beckers auf den 119. Psalm hatte Schütz acht verschiedene Melodien mit ihren Sätzen geschaffen (SWV 217-224).' Seit 1666 war Constantin Christian Dedekind Leiter der „Kleinen deutschen Music" am Dresdner Hofe. Sein Titel „Concertmeister" hatte mit dem heute gebräuchlichen nichts zu tun, sondern bezeichnete den Dirigenten von Figuralmusik-Aufführungen {,,Con-certen") außerhalb der wichtigeren, den Kapellmeistern und Vizekapellmeistern vorbehaltenen Anlässe und Gelegenheiten und dann, wenn diese zusammen mit dem ,,1. Chor", dem vor allem Italiener angehörten, auf Reisen waren. Im Range zwischen dem Vizekapellmeister und dem Hofkantor stehend, war der Posten als eine Art Verlegenheitslösung für Dedekind geschaffen worden. Diesem unterstand der „2. Chor" der Hofkapelle, nämlich die aus deutschen Sängern be-sKhendeHofkantorei, die bei Bedarf durch Instrumen-talisten ergänzt werden konnte, was die,,Kleine deutsche Music" ergab.' Von Dedekind gingen möglicherweise Bestrebungen aus, die durch den schlichten Liedgesang geprägten Nebengottesdienste - alle liturgischen Formulare hatte Kurfürst Johann Georg II. 1662 einer Revision unterzogen - durch Figuralmusik anzureichern. Er berichtet in der Widmungsvorrede zu seiner eigenen Vertonung des 119. Vsúms Königs Davids Göldnes Kleinod, Dresden 1674, daß „in der Kuhr-Fürstl. Schloss-Ca-pella alhier/solchen Psalm unterthänigst zu musiciren / und damit genädigst gehöret zu werden / ich das Glück gehabt Vielleicht wurden diese Nebengottesdien- ' Originalexemplar: Sächsische Landesbibliothek Dresden, MB 8° 1228 R. ' Obersicht der Gliederung des i Psalms in: Schiitz-Werke-Verzeichms, Kleine Ausgabe, hrsg. von Werner Bittinger, Kassel usw. 1960,8. 150f. ^ Vgl. Eberhard Schmidt, Der Gottesdienst am kurfürstlichen Hofe zu Dresden, Berlin 1961, S. 74ff., 194ff. * Zur „Kleinen deutschen Music" s. auch Moritz Fürstenau, Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe zu Dresden, 1. Teil, Dresden 1861 (Reprint Leipzig 1971), S. 150f. ® Dedekinds Vorrede in der Orgelstimme zu Königs Davids VII

Termékadatok

Cím: Der Schwanengesang [antikvár]
Szerző: Heinrich Schütz
Kiadó: Bärenreiter
Kötés: Vászon
Méret: 200 mm x 280 mm
Heinrich Schütz művei
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