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ERSTES KAPITEL
Der Bootsführer Adi Muhl starrte in ungläubigem Ent= setzen auf das buntscheckige Frauenvolk, das girrend und zwitschernd und kichernd über die Planken der Bellevue= brücke herangestöckelt kam.
Keine Rettung. Das galt ihm und der „Pomerania".
Er hatte das Gefühl, daß ihm die Hände zitterten, als er zu seinem geliebten Brot und Labsal griff, der runden Schach= tel mit den Hirschberger Pfefferminzpastillen.
Es war klar, daß es nurraiehr aus war mit Adi Muhl. Viel hatte man ihm verziehen in den besseren Kreisen der kleinen und der großen Fahrensleute von Kiel. Man hatte ihm groß= mütig die Hirschberger Pastillen an Stelle von Priem oder Pfeife gegönnt, und man hatte es ohne besonderen Wider= Spruch hingenommen, daß er sich „Kaptein" nennen ließ, seit er einmal vertretungsweise einige Tage hindurch den Kursdampfer nach Friedrichsort und Laboe geführt hatte. Man hatte ihm zur Kieler Woche im Vorjahr den sächsischen Lehrergesangverein nachgesehen, der pausenlos Gesänge er= schallen ließ, die von den Sängern für Seemannslieder ge= halten wurden.
Und vor zwei Jahren hatte man ihm nur bedauernd auf die Schultern geklopft, als genau am Eröffnungstage die „Pome= rania" von einer amerikanischen Sekte gechartert wurde.
Vieles hatten ihm die Herren Direktoren von der Bal= tischen Dampfschiff=Reederei schon angetan, und er hatte es, keineswegs ohne Verständnis, auch hingenommen, denn es war klar, daß die alte „Pomerania" mit ihrer Naphthamaschine nicht gerade für die beste Charter vergeben wurde. Sie wurde ohnehin nur zur Zeit der Kieler Woche aus ihrem wohlver= dienten Schlummer im Schuppen von Sartori & Berger geholt.
Die heutige Charter aber . . . Nichts mehr von Kaptein Muhl. Er hörte schon das Höllengelächter in Bruschs Grog= Stube in Ellerbek . . .