Bővebb ismertető
Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verkündet. Damit war eine wichtige Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte verbunden: Im westlichen Teil Deutschlands war vier Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation und dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein neuer demokratischer Staat ins Leben getreten. Die Frauen und Männer, die sich im Parlamentarischen Rat zusammengefunden hatten, um dieses Grundgesetz zu beschließen, handelten im Namen des gesamten Deutschen Volkes, »von dem Willen beseelt, seine nationale und staatliche Einheit zu wahren und als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen« - wie es in der Präambel des Grundgesetzes ausgedrückt ist. Anspruch und Realität klafften zu diesem Zeitpunkt freilich schon weit auseinander. Die politischen und ideologischen Gegensätze zwischen den alliierten Besatzungsmächten hatten eine gemeinsame Deutschlandpolitik blockiert und die Dramaturgie des Teilungsprozesses unaufhaltsam in Gang gesetzt. Mit der Durchsetzung des politischen Machtmonopols der Sozialistischen Einheitspartei, durch die kommunistische Besatzungsmacht garantiert, hatte sich in der östlichen Besatzungszone ein tiefgreifender politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Umwälzungsprozeß vollzogen, der sich zunehmend den Strukturen der sowjetkommunistischen Ordnung annäherte und im Wege einer »Revolution von oben« in die Konstituierung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 einmündete. Mit der doppelten Staatsgründung des Jahres 1949 wurde Nachkriegsdeutschland zum Kristallisationspunkt eines Doppelkonflikts, der mit den Begriffen Blockkonfrontation und Systemkonkurrenz charakterisiert werden kann: Als Funktion des globalen Ost-West-Gegensatzes war die deutsche Teilung markanter Ausdruck der Blockkonfrontation in Europa. Gleichzeitig wurde die politische, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung in beiden deutschen Staaten zu einem zentralen Bestandteil der Systemkonkurrenz, in der sich Vorzüge und Mängel der konträren Gesellschaftsmodelle in Ost und West zu erweisen hatten. Es sollte lange Zeit dauern, bis aus dem strikten Gegeneinander der beiden Staaten in Deutschland ein Weg zu einem geregelten Nebeneinander geebnet werden konnte. So entwickelte sich - nicht ohne Krisen und Belastungsproben - ein neues Verhältnis von Konflikt und Kooperation, ein Modus der friedlichen Konkurrenz, der trotz Aufrechterhaltung der staatlichen Teilung das Bewußtsein von der »Einheit der Nation« in beiden deutschen Gesellschaften wachgehalten hat. Vierzig Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wird allenthalben Bilanz gezogen. Wer sich an die Geburtsstunde unserer parlamentarischen Demokratie erinnert, sollte jedoch das Faktum des doppelten Deutschland nicht außer acht lassen: Das Deutsche Volk, auf das sich das Grundgesetz beruft, lebt seit vier Jahrzehnten in zwei Staaten. Wer von Deutschland spricht, kann daher die DDR aus seinem Wahrnehmungshorizont nicht ausklammern. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat in den letzten Jahren wiederholt Publikationen vorgelegt, die diesen grundlegenden deutschlandpolitischen Sachverhalt unterstreichen.