Bővebb ismertető
Ich setze mich an einen kleinen Resopaltisch im engenZimmer von Frau Schulz, ihrem Büro in der Zentrale des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik: dem Ministerium der Akten. Während ich den Ordner aufschlage, fällt mir plötzlich wieder ein denkwürdiger Augenblick meines Lebens in der DDR ein.Eines Abends, irgendwann im Jahr 1980, als ich als Student in Ostberlin wohnte, kehrte ich zusammen mit einer Freundin in mein Zimmer zurück, das in einem heruntergekommenen Mietshaus im Stadtteil Prenzlauer Berg lag. Es war ein Zimmer mit Aussicht, oder genauer gesagt, mit Einblick. Eine verglaste Flügeltür führte auf einen Balkon, und wenn die Gardinen aufgezogen waren, konnten die Leute von gegenüber direkt in mein Zimmer sehen.Als wir uns auf dem schmalen Bett umarmten, machte Andrea sich plötzlich los, entkleidete sich, ging zur Balkontür und zog die Stores auf. Bevor sie zu mir zurückkam, schaltete sie noch die helle Deckenlampe ein. Hätte sich das alles in Oxford abgespielt, so hätte ich mich vielleicht über das helle Licht und die geöffneten Vorhänge etwas gewundert. Dies aber war Berlin, und deshalb machte ich mir darüber weiter keine Gedanken.Bis ich von der Existenz der Stasi-Akte erfuhr. Da erinnerte ich mich plötzlich an die Szene und fragte mich, ob Andrea damals für die Stasi gearbeitet und die Stores vielleicht aufgezogen hatte, damit man uns von der Wohnung auf der anderen Straßenseite aus fotografieren konnte.Vielleicht schlummern diese Fotos jetzt in der Akte da vor mir, die von Frau Schulz bereits durchgesehen war. Wie hatte sie sich ausgedrückt? Sie haben eine sehr interessante Akte.