Bővebb ismertető
Lieber Freiheit ohne Einheitals Einheit ohne FreiheitKarl von Rotteck, 1832Das vorliegende Themenheft folgt in seinen methodisch-didaktischen Intentionen jenen Prinzi-pien, die für die neubearbeitete Weltgeschichte im Aufriß" insgesamt konstitutiv sind. Dazu rech-nen vorrangig:1.Die grundlegende Überzeugung, daß als Gegenstände des Geschichtsunterrichts nicht primärfachhistorische Probleme, sondern Probleme des politischen Verständnisses der Gegenwart zugelten haben. Demgemäß wird der Gegenwartsbezug als eine maßgebliche Kategorie für Aus-wahl und Akzentsetzung begriffen.2.Die quantitativ ausgedehntere Berücksichtigung statistischer Daten, die nicht nur der Prioritätder Texte entgegenwirken, sondern zugleich den angemessenen Umgang mit einem Materialfördern soll, dessen Beschaffenheit den unterrichtlichen Dreischnitt: Analysieren, Erklären undWerten in besonderer Weise verlangt.3.Die dosierte Aufnahme von Situationsberichten, die mit ihrer handfesten Spiegelung von Le-benswirklichkeit nicht nur das Moment der Anschaulichkeit verstärken, sondern auch eine anre-gende Unterbrechung der problemorientierten Anstrengungen ermöglichen sollen.4.Das gezielte Konzipieren der Arbeitsthemen, die häufig nicht nur auf einen Text Bezug haben,sondern gleichzeitig gedankliche Querverbindungen herstellen, als erprobte Empfehlungen undnicht als verbindliche Regieanweisungen.5.Die Markierung der Kapazitätsunterschiede zwischen Grund- und Leistungskurs durch differen-zierende Hinweise (*), die darüber hinaus thematische Schwerpunkte signalisieren.Die Jahre 1949-195$ umgreifen eine formative Phase deutscher Nachkriegsgeschichte in Westund Ost mit einer klar definierten Zäsur - innenpolitisch, doch vor allem außenpolitisch - am Ab-schluß. Denn: mit der Etablierung und Festigung unterschiedlicher Gesellschafts- und Wirtschafts-ordnungen war einer einfachen Wiederherstellung des deutschen Einheitsstaates substantiell derBoden entzogen, was erstaunlicherweise nicht hinderte, die Existenz teilstaatlicher Identitäten imRahmen einer Nation bis in die späten 60er Jahre mit geradezu verblüffender Selbstverständlich-keit zu verdrängen.Sogar als mit dem Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und der DDR zum Warschauer Pakt diedoppelte Blockintegration" (Chr. Kleßmann) besiegelt und die Spaltung Deutschlands - ohnehinein konstitutives Element des Kalten Krieges von Anfang an - auf absehbare Zeit irreversibel ge-worden war, beruhigten" die zunehmend hilfloser wirkenden Beschwörungen der Trias Einheit- Freiheit - Frieden" - wie sie vor allem im Kontext der Gedenkfeiern zum 17 Juni 1953 lautwurden - das nationale Bewußtsein in der Bundesrepublik und nährten jene illusionäre Sicht, inder Adenauers Westpolitik als wahre Ostpolitik erschien" (A.Baring).Dennoch ist vor schnellen Urteilen und Schuldzuweisungen zu warnen: Gab es überhaupt einerealistische Alternative?Auch wenn man der Auffassung des Historikers Rolf Steininger, der die Annahme, die West-mächte hätten es mit der Wiedervereinigung wirklich ernst gemeint", als Legende" apostrophiert,nicht folgen kann, bleibt zu konstatieren, daß der deutschlandpolitische Immobilismus der Super-mächte, der auf der eingetretenen blockpolitischen Abgrenzung als Grundlage einer kalkulierbareneuropäischen Friedensordnung beruhte, eine aktive Wiedervereinigungspolitik ausschloß.Gerade das konferenztaktische Schattenboxen des Jahres 1955 hätte lehren können, daß der Stel-lenwert des gesamtdeutschen Vorbehalts" (W. Besson) für die Großmächte nicht mehr über eineverbale Deklamation hinausreichte.