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Programmiertes IVIanagementEs war ein hektischer Tag im Januar 1985, als Ed Pecorella, dem Leiter der regionalen IRS-Behörde in Ogden, Utah, auffiel, daß irgend etwas nicht stimmte. (Der Internal Revenue Service, IRS, die US-Finanzverwaltung, ist in zehn regionale Behörden unterteilt, die Steuererklärungen aus verschiedenen US-Bundesstaaten bearbeiten.) Was Pecorella sah, war eine junge Mitarbeiterin, eingekeilt zwischen Postverteilungswagen, die unter der Last aufgestapelter Papierberge fast zusammenbrachen. Was ist los?" wollte Pecorella wissen.Die junge Frau warf ihm einen gestreßten Blick zu. Wollen Sie das wirklich wissen?" fragte sie. Ich finde überhaupt nichts mehr. Wir haben einen Ausfall."Bei den Papierbergen handelte es sich um unbearbeitete Steuererklärungen, erste Anzeichen einer Katastrophe, die über das amerikanische Steuersystem hereinzubrechen drohte. Mit einer Flut von rund 178 Millionen Steuerformularen für 1984 konfrontiert, stand dem IRS der absolute Alptraum bevor - Computerausfall.Computer bilden Herz und Seele der Finanzverwaltung in den Vereinigten Staaten. Im November 1984, nur zwei Wochen vor Beginn der Abgabefrist, hatte der IRS die veralteten Maschinen, mit denen die Behörden seit den sechziger Jahren arbeiteten, ausrangiert und für 131 Millionen Dollar ein brandneues System installiert: Jede der zehn regionalen Behörden hatte einen mächtigen Mainframe des Typs Sperry 1100/84 erhalten. Und im Rechenzentrum des IRS in Martinsburg, West Virginia, war eine elfte Maschine aufgestellt worden, an die sie alle angeschlossen waren.Probleme mit dem kurzfristig installierten System ließen nicht lange auf sich warten. Die Computer in den Regionalbehörden Atlanta und Memphis weigerten sich aus unerfindlichen Gründen, nach dem Einschalten auf Startbefehle zu reagieren, und mußten zur Überprüfung an Sperry zurückgegeben werden. In den übrigen Behörden blieben immer wieder die Bandlaufwerke stehen, von denen Daten der Steuerpflichtigen eingelesen wurden; andere Defekte wiederholten sich mit solcher Regelmäßigkeit, daß Teile des Systems nur mit halber Kraft arbeiteten. Das Computerpersonal stellte fest, daß nicht einmal das Programm funktionierte, das nach einem Computerausfall das Wiederanläufen der Verarbeitung an der Stelle, an der sie unterbrochen worden war, gewährleisten sollte: Jedesmal wenn ein System streikte, mußte man noch einmal ganz von vorn beginnen.Der 15. April - und damit das Ende der Abgabefrist- kam, und die Behörden, bei denen in der letzten Woche noch einmal über 19 Millionen Erklärungen eingingen, waren hoffnungslos im Verzug. Steuererstattungen in Höhe von Hunderten von Millionen Dollar wurden nicht angewiesen. Unbescholtenen Bürgern, deren Steuerzahlung eingegangen, aber nicht bearbeitet worden war, flatterten Mahnbescheide ins Haus. Berge von Anfragen blieben unbeantwortet in den Amtsstuben liegen.Die Krise des IRS von 1985 (im Jahr darauf durch die Installation zusätzlicher Computer behoben) markierte einen der spektakulärsten Computerausfälle aller Zeiten im öffentlichen Bereich. Und sie war eine deutliche Mahnung, in welche Abhängigkeit von diesen elektronischen Zauberkünstlern sich die moderne Gesellschaft begeben hatte. Nicht anders als die meisten großen Organisationen, die ihren Betrieb in den letzten 40 Jahren auf Computer umgestellt haben, kann der IRS nicht mehr ohne sie arbeiten. Ein einfaches Zurück zu althergebrachten manuellen Verfahren gibt es für diese Organisationen genausowenig wie für die Autofahrer bei Benzinknappheit ein Zurück zur Pferdedroschke. Com-