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Die schrägen Strahlen der Sonne brachen sich in den hohen, vom Staub der Großstadt verschleierten Fensterscheiben. Im Hörsaal zwei der Charite herrschte atemlose Stille, während Professor Bier seine Vorlesung hielt.Seine ruhige Stimme drang bis in den letzten Winkel des Raumes: . . . und deshalb, meine Damen und Herren, lehrte Herakleitos, daß die Gegensätze in der Welt notwendig sind, weil nur durch sie die Harmonie des Seienden erreicht wird. Der Kampf ist es daher, der die Welt beherrscht. Nichts Bleibendes gibt es, nur die Veränderung ist ewig, panta rhei. Mit einer eleganten Bewegung seiner weißen Hände schlug Bier die letzte Seite seines Manuskriptes um. Bis morgen, meine Damen und Herren.Während er das Manuskript zusammenfaltete und in die Innentasche seines Jacketts steckte, brandete Beifall auf. Die Studenten trommelten auf die Pulte.Jetzt würde es mich aber mal wahrhaftig interessieren, was dasmit Medizin zu tun haben soll, rief Karl-Friedrich Weigandhalblaut, wobei er sich darauf verließ, daß seine Stimme in demallgemeinen Getöse unterging.Aber jemand hatte ihn doch verstanden.Die Studentin Margit Körner, die schräg vor ihm saß, drehte denKopf mit dem glatten, jungenhaft kurz geschnittenen blondenHaar zu ihm um. Wenn du uns öfters die Ehre gäbst, Karlchen,sagte sie, wüßtest du, worauf Bier hinauswill.Karl-Friedrich Weigand ließ seine Notizen in der Kollegtascheverschwinden. Weißt du es denn?Margit Körner erhob sich und schob sich hinter ihrem Banknachbarn auf den schmalen, aufwärts führenden Gang hinaus. Und ob , erklärte sie, er verlangt, die Krankheitssymptome nicht nur naturwissenschaftlich zu betrachten, sondern aus ärztlicher Sicht. Kapiert?7