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ERSTES KAPITEL
Es läutete.
Theodor Sinder, Klassenlehrer der 5B, zog wie gev/öhnlich, wenn die Schulglocke ertönte, seine Taschenuhr hervor, schüttelte den Kopf, als komme ihm dieses Läuten völlig unerwartet, und las weiter:
„ fassen wir zusammen: Die Vorgeschichte der Germanen, also die Zeit, aus der uns keine schriftliche Überlieferung vorliegt, war früher in tiefes, undurclidringliches Dunkel gehüllt. Vielfach herrschte die Vorstellung, als habe diese Zeit in einem dumpfen, fast tierischen Hindämmern ohne geistige Regungen und ohne höhere Ansprüche an das Leben bestanden "
Stimmenlärm drang vom Korridor herein. Die Schüler horchten auf. .Natürlich wieder die 5A, die machte immer als erste Schluß. Ein prima Lehrer, der dicke Rochwitz.' Geflüster und Gekicher flatterte von Schulbank zu Schulbank. Deutlich hörte man: „Alter Sündenknochen, hör auf!"
Sinder hob erstaunt, unwirsch sein dürres Gesicht über dem hohen Kragen, der den strunkartigen Hals schamhaft verdeckte. Er preßte die schmalen, blutleeren Lippen aufeinander, und die knochigen Finger seiner Rediten zitterten, das Zeichen, daß Ärger ihn ankam.
Die Schüler beobachteten mit Luchsaugen jede Bewegung ihres Lehrers. Zufrieden stellten sie den üblichen Ablauf aller ihnen bekannten Symptome fest: Mit dem überraschten Blick auf die goldene Sprungdeckeluhr ging es los, und nach dem nervösen Zurechtrücken der Brille setzten die Spinnenfinger der rediten Hand ihr unruhiges Spiel fort. Die Linke lag, der Klasse