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Meine Hoffnungen, daß sie vielleicht fett geworden war, lösten sich schlagartig in Luft auf, als sie hereinkam.Sie trug eine schwarze Seidenbluse und eine weiße Hose, und ihre blonden Haare hatte sie sich zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden, was die Wirkung ihrer Gewichtsabnahme eindrucksvoll unterstrich. Sie lächelte mich strahlend an, als sie mich sah, iind ich stand auf und grinste nur blöd, war über meine Reaktion gleichzeitig verärgert und verwirrt.Große Güte, es waren jetzt fünf Jahre her. Viel zu lange für diese High-School-Rasender-Puls-Scheiße. Ganz besonders nach allem, was sie mir angetan hatte.Weswegen ich ja auch gehofft hatte, sie würde fett sein. Schon vor sehr langer Zeit waren die Phantasien verblaßt, wie sie auf blutigen Knien angekrochen kommen und mich um Vergebung anflehen würde, aber die Vorstellung, daß sie wenigstens ein bißchen aus dem Leim gegangen war, wäre eigentUch doch ganz nett gewesen. Abgesehen davon, daß es mir dann erheblich leichter gefallen wäre, sang- und klanglos wieder zu verduften, hätte es auch mir ein ordenthches Maß an Genugtuung gegeben.Der einzige Grund, warum ich überhaupt erst mit diesem Treffen einverstanden gewesen war, als sie mir am Telefon gesagt hatte, daß sie mich unbedingt sehen müßte und meine Hilfe brauchte, war eine Mischung aus Neugier und Befriedigung meines Egos. Die Phantasien waren ja vielleicht verblaßt, doch die Fragen waren geblieben. Fünf Jahre lang hatte ich auf die Antworten gewartet. Auf die Antworten und - wenn ich Glück hatte - auch auf eine ordentliche Portion Schadenfreude. Zumindest war es das, was ich mir immer wieder sagte.Schön, dich zu sehen, sagte sie und streckte ihre Hände aus. Und als sie das tat, bemerkte ich den Ring. Eine unbedeutende Kleinigkeit, die sie versäumt hatte, mir gegenüber am Telefon zu erwähnen. Sah jedenfalls ganz so aus, als wäre derjenige, bei wem auch immer sie schließlich gelandet war, ganz gut versorgt. Mindestens vier Karat, lupenrein.