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VORWORT
Gewandelt haben sich die Ansprüche, die der Kunstfreund an den Katalog einer großen öffentlichen Gemäldegalerie stellt. Ehemals wurden Mühe und Sorgfalt vornehmlich auf die für unentbehrlich gehaltene ausführliche Beschreibung eines jeden Bildes gewendet. Allmählich zog die Illustration ein in den Katalog, zuerst als erwünschter Schmuck, dann als integrierender Bestandteil. Neben der Reproduktion wurde die Beschreibung rudimentär. Als das Ideal bildete sich heraus das wissenschaftliche Verzeichnis mit Abbildungen aller Gemälde, mit Angaben über die Farben, etwa auch über den Zustand, mit Beschreibung aber nur soweit, wie zur Deutung und Erklärung des Inhaltlichen nötig erscheint. Einen Katalog, der solchen Anforderungen einigermaßen gerecht wurde, hat die Berliner Galerie in dem bei J. Bard (Berlin) 1913 erschienenen Bande besessen. Diese Publikation ist seit längerer Zeit vergriffen. Einer Neuauflage stellten sich erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Im besonderen war die Verpflichtung kaum zu erfüllen, den Kunstgelehrten in einer Zeit verschlechterter wirtschaftlicher Verhältnisse und gesteigerter Herstellungskosten einen wohlfeilen Katalog zur Verfügung zu stellen.
Mit der vorliegenden Veröffentlichung wird der Versuch gemacht, nach dem Vorbild der Londoner National Gallery, durch Teilung zum Ziele zu gelangen, nämlich durch Abtrennung der Abbildungen von dem Katalogtext und durch Gliederung des Materials.
Der 1929 erschienene erste Band dieser Publikation enthält die deutschen, die altniederländischen und die primitiven französischen Gemälde, damit den Teil der Galerie, der aus dem Kaiser-Friedrich-Museum in den Neubau des Deutschen Museums überführt worden ist. Der im Kaiser-Friedrich-Museum verbliebene Bestand umfaßt die gesamte italienische Kunst, die holländische und vlämische Malerei des 17. Jahrhunderts, sowie die spanische, französische und englische. Dieser Bestand ist hier so gegliedert, daß die italienische Kunst zwei Bände in Anspruch nimmt, von denen der vorliegende die italienische Malerei des 16. bis 18. Jahrhunderts enthält, ein gleichzeitig erscheinender Band die italienische Malerei des 13. bis 15. Jahrhunderts, während der Rest in zwei weiteren Bänden in Kürze folgen wird. Die Grenzlinie zwischen den beiden der italienischen Kunst gewidmeten Bänden war nicht leicht zu ziehen. Maßgebend war in den zweifelhaften Fällen der Stilcharakter mehr als das Geburtsdatum. So ist Lionardo und