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Vorwort
Unsere Zeit ist die Periode des umfassenden Auf baus des Kommunismus in der Sowjetunion, des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im weltgeschichtlichen Maßstab ; es ist dies eine Periode des angesparmten Kampfes zwischen der sozialistischen und der bürgerlichen Ideologie.
Im gegenwärtigen ideologischen Kampf nehmen die Fragen der Geschichtsphilosophie, die gleichsam das Bindeghed zwischen der idealistischen Philosophie einerseits und der bürgerhchen Soziologie, der Geschichte und den politischen Wissenschaften andererseits ist, einen wichtigen Platz ein. Zu Recht bemerkt der französische marxistische Philosoph Roger Garaudy: ,,Alle gegenwärtigen Attacken gegen den Marxismus gründen sich auf eine subjektivistische Konzeption der Geschichte und der Soziologie." („Toutes les attaques actuelles contre le marxisme se fondent sur une conception subjectiviste de l'histoire et de la sociologie.") ' Hunderte bürgerlicher Philosophen, Historiker und Soziologen richten systematische AngrifiFe auf die Idee von der Möglichkeit einer wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte der Gesellschaft. Sie versuchen zu beweisen, daß sich die Geschichte lediglich auf die Beschreibung einzelner Geschehnisse beschränke, daß sie sowohl in ihren Voraussetzungen als auch in ihren Schlußfolgerungen immer subjektiv gewesen sei und sein werde und daß es imsiimig sei, von ,,Lehren der Geschichte" zu sprechen.
Dieser Feldzug gegen die Idee der objektiven Geschichtswissenschaft, der längst der Vergessenheit anheimgefallene reaktionäre Konzeptionen wiederbelebt, hat nicht nur akademische Bedeutung : Seine poUtische Zielsetzung ist ofifensichtlich. Wenn es den bürgerlichen Philosophen und Soziologen nachzuweisen gelänge, daß die Geschichte der Gesellschaft nicht wissenschafthch sein kann, daß sie keine objektive Wahrheit, d. h. kein Wissen gibt, das weder vom Menschen noch von der Menschheit im ganzen abhängt, dann würde dies
1 R. Oaraudy, La lutte idéologique chez les intellectuels, in: Cahiers du communisme 1955, 7—8, p. 893; vgl. F. Chatelet, Non, l'histoire n'est pas insaisissable!, in: La nouvelle Critique, 65, mai 1955, p. 56—57.