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ERSTES KAPITEL Domenico Pascarellas Sonntagsgesang Der Sonntag hat in jeder Stadt seine besondere Art, und nicht nur der Sonntag als solcher, sondern jeder Sonntag des Jahres und der Jahreszeit anders, und nicht nur in jeder Stadt, sondern in jedem Bezirk und Kirchsprengel verschieden. Den Sonntag verstehn am besten die Kinder, die sehr altén Leute und die Armen, die sich ergeben habén. Die Vollgültigen und Tátigen wollen ihm nicht wohl, sie hassen seine Ruhe, sie stören sie inbrünstig, indem sie das Fufiball-Stadion stürmen, in dampfenden Kinosálen sich drángen und mit kriegerischen Schwármen die Ausíiugsnatur überziehn. Diesen Massen zum Trotz hat aber der Sonntag dennoch seinen Charakter nicht verloren, der gemischt ist aus Vergnügen und Schwermut, Frieden und Verzweiflung, Herdenwesen und Verlassenheit, Erwartung und Enttáuschung. Noch immer verströmt der Ruhetag Gottes den schaurig holdén Opferrauch jahrtausendalter Heiligung und Sabbath-Innerlichkeit, mögen auch Hupen und Lautsprecher seine Stille immer gehássiger zerreifíen. Für die Geschwister Pascarella jedenfalls hatte er von Kind auf die gröBte Bedeutung. Diese Sechs, drei Brüder, drei Schwestern, besaBen auf der Welt nichts als einander, so wollte es ihre Veranlagung und das Schicksal. Wohl verbrachten sie auch viele Wochenstunden gemeinsam, aber der Sonntag gab ihrer Einigkeit und Liebe eine altgewohnte Weihe. Die kleinen Zwistigkeiten, Bevormundun-