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Frau Ohnenamen Was ich dir jetzt erzáhle, darfst du niemandem weitersagen, begann meine Mutter. Dein Vater hatte in China eine Schwester, die sich umbrachte. Sie sprang in den Hausbrunnen. Wir sagen immer, dein Vater hatte nur Brüder gehabt, so als wáre sie nie geboren. Im Jahre 1924, einige Tage, nachdem in unserem Dorf siebzehn Schnelltrauungen stattgefunden hatten - um sicherzugehen, daB jeder junge Mann, der >auf die StraBe hinauszog<, genügend VerantwortungsbewuBtsein entwickeln und heimkehren würde gingen dein Vater und seine Brüder, dein GroBvater und seine Brüder und der frischgebackene Ehemann deiner Tante nach Amerika, zum Gold Mountain, dem Goldberg. Es war die letzte Reise deines GroBvaters. Jene, die das Glück gehabt hatten, Arbeitsvertráge zu bekommen, winkten zum Abschied von den Decks. Sie versorgten und beschützten die blinden Passagiere und halfen ihnen in Kuba, New York, Bali oder Hawaii von Bord. > Náchstes Jahr sehen wir uns in Kalifornien wieder<, versprachen sie. Alle schicktensieGeldnachHause. Ich erinnere mich, daB ich eines Tages, als wir uns beide ankleideten, deine Tante beobachtete; bisher hatte ich noch nie bemerkt, daB sie einen so vorgewölbten Melonenbauch hatte. Aber ich dachte nicht: >Sie ist schwanger<; das dachte ich erst, als sie allmáhlich wie die anderen schwangeren Frauen auszusehen begann, als sich ihr Hemd hochschob und das weiBe Oberteil ihrer schwarzen Hose sehen lieB. Denn sie konnte ja gar nicht schwanger sein - ihr Mann war schon seit Jahren fort. Niemand sagte etwas darüber. Wir sprachen nicht davon. Im Frühsommer war es