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DIE STADT CHESTER
DIE ALTERTÜMLICHE RÖMISCHE FESTUNG DÉVA
Im Jahre 43 AD landeten vier römische Légionén und Hilf-struppen in Kent - und somit begann die römische Besatzung Britanniens, die mehr als 300 Jahre andauern sollte. Als sich die Grenzen des Römischen Reiches weiter nach Norden ausdehnten und die ein-heimischen Volksstámme unterworfen wurden, entstanden Festungen und Strafien im "Fahrwasser" der vor-dringenen Truppén; aber es war erst in der zweiten Hálfte des 1. Jahr-hunderts, dafl die Römer mit dem Bau der Festung an der Dee beginnen konnten, die sie dann Déva nannten.
Es war ungefáhr in den spát Fünfziger Jahres des 1. Jahrhunderts, dafi die Legionáre mit den Holz- und Erdkonstruktionen der zukünftigen Stadt Chester begannen. Im 'Spiel-kartenformat', d.h. in einem Rechteck mit abgerundeten Ecken, mafl sie ca. 411 m von Ost nach West und ca. 595 m von Norden nach Süden und umfafite dabei ungefáhr ca. 24 ha mit ihren Mauern. Da waren vier Tore, eins an jeder Seite, und von diesen Torén aus führten vier Hauptstraflen zum Zentrum der Festung, wo sich das "principia" oder Hauptquartier der Légion befand. Im modernen Chester wird dieses Grund-stück heute teilweise von der St. Peters Kirche am Kreuz einge-nommen und die Hauptstraflen der Innenstadt: Eastgate (Ost Tor), Northgate (Nord Tor), Watergate (Wassertor) und Bridge Street (Brückenstrafle) treffen hier noch heute aufeinander, fast 1900 Jahre nachdem ein römischer Land-vermesser sie abgesteckt hat.
Obwohl die erste Festung aus Erd-schutzwállen, die die Holzbauten umschlofi, rauh und primitív war, fanden im Laufe der Besatzungszeit betráchtliche Umbauten aus Stein statt, so dafi Déva zum Schlufl ein beeindruckendes legionáres Hauptquartier darstellen muflte mit ihrem riesigen "principia", Statthalter- und Offiziersháusern, Bádern, Clubs, viel-
leicht einem Tempel und Theater, Kornkammern und Kasernen, all das innerhalb ihrer massiven Mauern von über 20 Fufl Höhe, mit zivilen Sied-lungen und einem 8000 Zuschauer fassenden Freilicht-Amphitheater.
Der genaue Zeitpunkt, an dem sich die XX. Légion von Déva zurückzog, ist unbestimmt, aber es war wahr-scheinlich in der Mitte des 4. Jahrhunderts, und es folgte ihm eine Zeitspanne von 500 Jahren - das Dunkle Zeitalter - über die nur wenig über die Festung bekannt ist, mit Ausnahme, dafi sie in Verwüstung und Verfall geriet, da sie abwechselnd von kriegerischen Britanniern, Schotten, Northumbriern und Dánén geplündert wurde. Erst im 9. Jahrhundert klárt sich das Bild ein biflchen, indem bekannt ist, dafl der Leichnam des Sachsen-Heiligen Werburgh als Schutz-heiliger gegen die Dánén von Stafford-shire nach Chester gebracht wurde; alsó scheint es, als wáren die Sachsen zu der Zeit in der Stadt bereits fest ansássig gewesen. Die "Angelsachsen Chronik" vermerkt, dafl in 907 Legeaster (die Legionenstadt) 'war neu gemacht', und dafl dies von Aethelflaed, einer Tochter Alfréd des Groflen durchgeführt worden war, die als 'Lady of the Mercians' bekannt war. Sie liefl die Festung wieder restaurieren, neue Mauern bauen und eine Burg am Flufi errichten aufier-halb der früheren römischen Ver-teidigungsanlagen. Von dieser Zeit an, bis zur Eroberung durch die Norman-nen, erlangte Chester einen Teil seiner früheren Glorie zurück, und um das Jahr 972 herum wurde der Sachsenkönig Edgár der Überlieferung nach in feierlichem Pomp auf der Dee von seinem Palast zur St. Johns Kirchegerudert; die Ruderer bildeten die Nebenkönige von Wales, Irland, der Insel Man und andere, die gekommen waren, ihm den Treueeid zu leisten.
Chester hat den Ruf, als letzte der wichtigen Stádte im sáchsischen Eng-land in die Hánde der normannischen
Invasion gefallen zu sein - Cheshire wurde nicht vor 1070 unterworfen -alsó wurde die Stadt wieder ver-nichtet. Im Jahre 1071 wurde die Grafenwürde von Chester kreiert, und nach Gherbod, einem Fiamén, der diese einige Monate lang innehatte, war der erste in einer Linie nor-mannischer Grafen: Hugh d'Av-ranches, eine Neffe Wilhelm des Eroberers, der als Hugh Lupus -Hugh der Wolf - bekannt wurde, ver-mutlich wegen seiner Habgier. Und dennoch war es Gráf Hugh, der Anselm, Abt in Bee in der Nor-mandie, dazu überredete nach Chester zu kommen, ihm zu helfen, die Kirche von St. Werburgh in die groflartige Benediktiner Abtei um-zugründen.
Es gab acht normannische Grafen von Chester, und 166 Jahre hindurch regierten sie mit dem Schwert ein Palatinat, welches fast wie ein un-abhángiges Königreich war und ein eigenes Parlament, eigene Gesetze, Steuern, Gerichtshöfe, Adel und Heer besafl. Diese Grafen waren Hugh, Richárd, Ranulph le Meschin, Ranulph de Gernon, Hugh von Kevelioc, Ranulph de Blundeville (der máchtigste dieser Grafen, der 50 Jahre lang regierte und groflen Ein-flufl in ganz England hatte) und John le Scott. John starb 1237 und hinter-iiefi drei Schwestern und zwei Nichten als Érben, woraufhin Henry III die Grafenwürde der Krone anschlofl "aus Furcht, dafl ein solch tadelloses Herrschaftsgebíet nicht zwischen Frauen aufgeteilt wird". Von da an verlieh der König zuerst diese Grafenwürde seinem Sohn, dem spáteren Edward I, und 700 Jahre hindurch blieb sie eine Apanage für den áltesten Sohn des regierenden Monarchen, mit Ausnahme von 1264— 1265, als die Grafenwürde von Simon de Montfort getragen wurde.
Die Zeit der normannischen Grafen von 1071-1237 war eine sehr turbu-lente in Chester, da die Stadt zum Ausgangspunkt für kriegszugáhnliche