Bővebb ismertető
Vorbemerkungen
Der Historiker als Detektiv
Es gibt Situationen, in denen die Ähnlichiceiten von historischen und kriminalistischen Arbeiten ins Auge springen: dieselbe Aufregung beim ersten Verdacht, die Ungeduld während der Spurensuche und die Spannung bei der »Überfuhrung« der Verantwortlichen. Am 1. Oktober 2001 erlebte ich eine solche Situation, als ich den Hauptberater Michail Gorbatschows für die westlichen Staaten, Anatoli Tschemajew, in Moskau traf. Es war unsere zweite Begegnung.
Schon einmal, am 4. November 1999, hatte ich ihn in Moskau im Rahmen einer wissenschaftlichen Beratung für das Zweite Deutsche Femsehen interviewt, in deren Verlauf ich auch mit anderen internationalen Politikern gesprochen hatte.' In meiner Auswertung entdeckte ich bei Tschemajew einige »falsche« Erinnerungen und Widersprüche zu schriftlichen oder mündlichen Aussagen anderer führender sowjetischer Politiker. Übrigens nicht nur bei ihm, sondem auch bei fast allen anderen befragten Akteuren aus Ost und West fanden sich derartige Widersprüche. Daher beschloss ich nun fast zwei Jahre später, ihn noch einmal zu befragen.
Es ergab sich ein erstaunliches Gespräch: Anatoli Tschemajew bestritt die Fehler in seiner früheren Erinnerung keineswegs und gab sogar Gegnem von Michail Gorbatschow in einigen konkreten Punkten Recht. Auf meine Nachfrage, wieso er sich plötzlich »anders« erinnere, antwortete er lachend, dass er inzwischen die Gespräche Gorbatschows mit anderen Partei- und Regie-mngschefs sowie Mitschriften von Politbüro-Mitgliedern zusammenstelle, und dabei seien eben einige Dinge herausgekommen, die ihm damals entfallen waren.
1 Neben anderen Sendern hat auch das Zweite Deutsche Femsehen (ZDF) im Zuge der Vorbereitung fflr das zweiteilige »Dokudrama« mit dem Titel »Deutschlandspiel« anlässlich des zehnten Jahrestages der Einheit Deutschlands ca. 60 Interviews mit Hauptbeteiligten dieses Prozesses durchfuhren lassen, an denen ich beteiligt war. Das »Deutschlandspiel« wurde produziert von Ulrich Lenze, Regisseur war Hans-Christoph Blumenberg. Den größten Teil der Interviews hat Blumenberg, einen kleineren Teil haben Thomas Schuhbauer und ich gefuhrt. Außerdem schrieb ich das Treatment und beriet das Filmprojekt wissenschaftlich.
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