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ji. Marz 1911
Madensky-Platz, Wien Heute morgen wachte ich besondeis gut gelaunt auf.
In meiner Phantasie sah ich ein Kleid vor mir - beinahe fertig, beinahe greifbar: cremefarbene Seide, der Rock dicht mit Volants aus cremefarbener Klöppelspitze besetzt, das Oberteil in Biesen genáht, aber sonst schmucklos bis auf eine ebenfalls cremefarbene Rose, ein wenig verblüht, fast welk
Das Kleid war natürlich nicht für mich bestimmt, sondern für meinen Sálon.
Doch die Vorstellung von diesem Kleid war nicht das einzige, was mich froh stimmte. Noch ehe ich die Fensterlá-den öffnete, wuíke ich, dafí sich der scharfe Ostwind gelegt hatte und der Frühling endlich gekommen war.
Beim Aufstehen warf ich einen Blick in den Spiegel über der Kommode; auch in dem grellen Morgenlicht liefí mein Gesicht noch nichts zu wünschen übrig. Ich bin sechsund-dreifiig, aber ich hátte sie tragen können, die cremefarbene Prachtrobe und die seidene Rose.
«Frappierend, wie aus diesen Bestandteilen perfekte Schönheit geworden ist», sagte einmal jemand zu mir. «Zu grofier Mund, zu breite Stirn, Backenknochen wie ein böhmi-scher Bauer Aber die Augen - und das Haar HerrlichU
In Wahrheit hatte das nicht irgendwer gesagt, sondern Feldmarschall Gernot von Lindenberg, und der ist nicht «ir-gend jemand».