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EINLEITUNG
Die Malerei ist eine der ältesten Kunstformen der Menschheit. Seit Urzeiten hat diese das Bedürfnis, die Welt in farbigen Bildern nachzuahmen und so von ihr Besitz zu ergreifen. Aber man begann schon früh, auch die menschliche Gestalt nachzubilden, die in immer stärkerem Maße Mittelpunkt der Darstellung wurde, der Mensch, wie er war oder erscheinen wollte, im profanen Alltag, in Stunden festlichen Glanzes oder in Augenblicken äußerster Gefahr. Selbst die Welt der Gedanken versuchte man in farbigen Bildern ein-zufangen. Häufiger als im Bereich der Realität mußten hierbei jedoch ganz neue, ungegenständliche Ausdrucksformen gefunden werden. Dies geschah oftmals so konsequent, daß nur noch der Kundige hinter der Abstraktion die lebendige Idee erkennen konnte. Bis weit in das Mittelalter hinein war das Malen ein Prozeß, der in der Welt des Sakralen seine Einordnung fand. Der bildende Künstler stand im Dienst seines Gottes. Sein Werk, von uns Heutigen allein als Kunstwerk gewertet, wurde nicht nach ästhetischen Maßstäben gemessen, wenngleich das naturgetreue Abbilden von Mensch und Tier oder die sinnfällige Vergegenwärtigung von Gott und Heiligen beim naiven Betrachter nicht nur religiöse Empfindungen auslösen mochte. Das Bildwerk besaß keinen Eigenwert, gleichgültig ob es an den Mauern christlicher Gotteshäuser oder auf den Pergamentblättern eines karolingischen Evangeliars erschien. Ein Bild war in der christlichen Kirche ähnlich wie die Liturgie, der Gesang und das Gebet nur ein Instrument, ein augenfälliges Mittel, das einzig und allein zur Ehre Gottes geschaffen wurde. Erst als sich an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit die kirchlichen Bindungen lockerten, löste sich auch die Malerei aus ihrer dienenden Funktion. Ungefähr zur gleichen Zeit entstand das selbständige Tafelgemälde, also das, was wir von nun an als „Bild" schlechthin bezeichnen. Wenn auch zunächst noch weitgehend sakrale Themen dargestellt wurden und die Bilder auf Altären Aufstellung fanden, so spielte doch jetzt neben der inhaltlichen Bedeutung die künstlerische Form eine immer stärkere Rolle. Sie entwickelte eigene Gesetze, denen sich die Darstellung unterwerfen mußte.
Bevor hier nun nach diesen einleitenden, notgedrungen vereinfachenden Andeutungen in großen Zügen der weite Weg von der frühmittelalterlichen Buchmalerei bis zur Kunst der Gegenwart abgeschritten wird, sei mit wenigen Strichen die Malerei der Vorzeit und der Antike skizziert.
Die frühesten Beispiele für die Kunst der Malerei stammen aus der letzten Periode der Altsteinzeit. Sie werden von der Forschung in die Zeit von etwa 60 000 bis 10 000 v. Chr. datiert. Es sind Felsbilder, die an den Innenwänden großer Höhlen angebracht sind. Diese ersten Höhlenmalereien wurden vor fast hundert Jahren durch einen Zufall entdeckt. Seitdem sind bislang insgesamt 109 Höhlen mit Tausenden von Wandgemälden bekannt geworden und erforscht. Die weitaus meisten liegen in Südfrankreich und Nordspanien, z. B. die Höhlen von Lascaux, Trois Freres und Altamira. Dargestellt sind durchweg die großen Tiere, auf die man Jagd machte - Mammut, Rentier, Bison, Wildpferd, Bär, Hirsch u. a. Manchmal sind es ganze Gruppen, die von Menschen in Tiermasken umtanzt werden. Die Bilder sind verschieden groß. Manche geben die Tiere in ihrer natür-