Bővebb ismertető
Wo beginnen Erinnerungen? Mit fünf Jahren, mit vier, mit drei oder gar in der Zeit, als man noch nicht geboren war? Für mich beginnen sie zehn Jahre vor meiner Geburt. In einem polnischen Städtchen, an einem Fluß. Der Fluß ist wichtig. Am Neujahrsfest gehen alle Juden dorthin und leeren ihre Taschen aus. Sie werfen die Krümel in den Fluß, als Zeichen, daß sie ihre Sünden wegwerfen. Ich weiß nicht mehr, ob es alle waren, ob nur die Männer oder auch die Frauen zum Fluß gehen. Eine Generation und jahrhundertealte Bräuche sind verschwunden.
Der Fluß - die Ufer sind grün, das Gras steht im Sommer so hoch, daß wir Kinder uns darin verstecken können. Wenn ich durch das Gras laufe, fühle ich mich als Entdecker. Man sieht nichts als die hohen Halme und weiß nicht, was man am Ende des Grasmeeres finden wird. Ich bin eins mit der Natur. Es gibt nur das Stück Himmel, die Gräser und die weiche, braune Erde. Und ich fühle mich geborgen.
Heute ist Freitag, und als ich aufwache, steht die Mutter schon am Herd und kocht. Die Challes sind im Ofen, und der warme Duft des backenden Teigs durchzieht das Zimmer. Jeden Freitag wird das gleiche gekocht: gefillte Fisch, Challes, Hühnerbrühe, Nudeln, Kompott und Kuchen. Ich kann den Freitag am Geruch erkennen.
Vormittags putzt die Mutter. Nachdem sie den Boden gescheuert hat, rückt sie den Tisch in die Mitte des Zimmers, bedeckt ihn mit einer weißen Damastdecke, stellt die silbernen Leuchter drauf, legt die Challes daneben und deckt sie mit einem gestickten Tuch zu. Die Stube hat ihr Schabbatkleid angezogen.