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KUNSTWERKE DER NATUR
Edelsteine nehmen mit ihrer wunderbaren Leuchtkraft und Farbenpracht eine Sonderstellung im Reich der Natur ein. In der Antike war man von der übernatürlichen Herkuntt der Edelsteine überzeugt und schrieb ihnen alle möglichen magischen Kräfte zu. Die Griechen glaubten, ein Trinkbecher aus Amethyst schütze vor den unangenehmen Folgen der Trunkenheit, und die Burmesen waren der Meinung, ein ins Fleisch eingesetzter Rubin mache einen Krieger unverwundbar.
Im 17. Jahrhundert galten die Edelsteine unter Wissenschaftlern schon als „seltene und edle Produkte der Natur", wie es der englische Phvsiker Robert Boyle ausdrückte. Sie werden aus gewöhnlichen Gesteinen durch Prozesse destilliert, bei denen oft ungeheuer hohe Temperaturen und gewaltige Drucke tief in der Erdkruste beteiligt sind. Ihre Schönheit verdanken sie einer Vielfalt chemischer und physikalischer Vorgänge. Beispielsweise bestehen der kostbare Rubin und gewöhnlicher Schmirgel im wesentlichen aus demselben Material, nämlich Korund; der Unterschied zwischen beiden liegt in der Beimengung geringster Spuren von anderen Stoffen. Diamant ist chemisch identisch mit Graphit; nur eine andere Kristallstruktur verleiht dem Diamanten die Härte, Klarheit und Leuchtkraft, derentwegen er so sehr geschätzt wird.
Schönheit, Beständigkeit und Seltenheit sind die herausragenden Merkmale von Edelsteinen. Die Anzahl der Minerale, denen dieses Prädikat zuteil wird, hängt unter anderem vom Zeitgeschmack und von ihrer Verfügbarkeit ab, aber bei den 15 Mineralen, die hier und auf den folgenden Seiten abgebildet sind, handelt es sich um diejenigen, die allgemein als die kostbarsten gelten.