Bővebb ismertető
Bei den Besuchern und Mitarbeitern der Staatlichen Museen zu Berlin ist die vortreffliche Ausstellung Les Cinq - The Five noch in lebhafter Erinnerung, die von der Bibliothéque Royale de Belgique Bruxelles in groBzügiger Weise von November 1968 bis Januar 1969 in der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik gezeigt wurde. Eine Kollektion der besten druckgraphischen Werke von Jan und Jozef Cantré, Frans Masereel, Joris Minne und Henri van Straten wurde zur Verfügung gestellt und von Wissenschaftlern des Berliner Kupferstichkabinettes mit Freude und Sorgfalt als Ausstellung arrangiert. Nun hat das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin das Bedürfhis, sich für das kollegiale Entgegenkommen von 1968 mit einer Gastausstellung in Brüssel in gebührendem MaBe zu revanchieren. Wir habén uns deshalb entschlossen, hundert der kostbarsten Holzschnitte, Lithographien und Radierungen von Edvard Munch aus dem Besitz unserer Sammlung auf die Reise zu schicken. Es sei mir gestattet, einige Gedanken über das Leben und Schaffen des hervorragenden norwegischen Meisters, über seine Beziehungen zu Deutschland und insbesondere zu Berlin darzulegen. Der am 12. Dezember 1863 auf dem Hof Engelhaug bei Löten in Südnorwegen als Sohn eines Arztes geborene Edvard Munch verbrachte seine Kindheit und Jugend in Oslo (damals Christiania). Dort war sein Vater als Arzt armer Leute tatig, ahnlich wie derMann von Káthe Kollwitz in Berlin. Dieses drückende soziale Milieu, vor allém aber der frühe Tod der Mutter im Jahre 1868 und das Hinscheiden seiner geliebten Schwester Sofie 1877, beide starben an Tuberkulose, belastete den in den Entwicklungsjahren stehenden sensiblen Knaben ungemein. Der Vater lebte zwar noch bis 1889, zog sich aber immer mehr in sich selbst zurück. So erklárt es sich, daB der empfindsame Jüngling, durch traurige Eindrücke und schmerzliche Verluste beeinfluBt, von 1881 bis 1883 seine künstlerische Ausbildung bei dem Bildhauer Julius Middelthun sowie den Malern Christian Krohg und Hans Heyerdahl in zumeist depressiver Stimmung absolvierte. Es zeigte sich aber sehr bald, daB der künstlerisch hochbegabte Munch nicht nur aus familiáren Gründen voller Probleme steckte, sondern auch die sozialen, philosophischen und psychologischen Spannungen seiner Zeit áuBerst intensiv erlebte. Bereits in seiner ersten Sonderausstellung, die 1889 in Oslo veranstaltet wurde, kreiste die Thematik seiner Werke um Krankheit, Tod und um die Polaritát zwischen Mann und Frau. Im Freundeskreis des kleinbürgerlichavantgardistischen Schriftstellers Hans Jáger, dessen Román Kristiania-Boheme verboten worden war, erlebte Munch erregte Diskussionen über die Frauenfrage, die freie Liebe und sozialen Verháltnisse. Die Jahrzehnte vor und nach der Jahrhundertwende waren überhaupt erfüllt von Zündstoff in geisteger und gesellschaftlicher Hinsicht. Der erstarkende Imperialismus führte Európa in eine Krisenepoche, die im ersten Weltkrieg ihre explosive Entladung fand.